Notarzt: Erhöhte Versorgungsqualität durch Telediagnose

09.05.2014
Foto: Ärztin am Telefon

Eine Telenotarzt als Teil des Rettungs-
dienstes unterstützt Rettungsanitäter und kann die vor Ort tätigen Notärzte entlasten; © panthermedia.net/
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Ein Telenotarzt als zusätzlicher Bestandteil des Rettungsdienstes kann die Versorgung deutlich verbessern. Dieses Fazit ziehen Experten im Rahmen des von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) ausgerichteten Deutschen Anästhesie-congresses (DAC).

Häufig treffen Rettungsassistenten vor dem Notarzt beim Patienten ein. Wenn sie schon bei ihrer Ankunft den Rat eines Telenotarztes hinzuziehen, können sie die Behandlung früher einleiten. Zudem ermöglicht diese ergänzende notärztliche Versorgung einen gezielteren Einsatz der konventionell vor Ort tätigen Notärzte. Das erhöht ihre Verfügbarkeit und sichert eine flächendeckende Versorgung.

„Die Einbindung eines Telenotarztes ermöglicht eine schnellere und bessere Versorgung der Patienten am Einsatzort“, erklärt Prof. Rolf Rossaint, Kongresspräsident des DAC und Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Aachen. Auch der DGAI-Präsident Prof. Christian Werner würdigt das neue Rettungssystem: „Die Weiterentwicklung des Kompetenzbereichs Notfallmedizin gemäß den veränderten Rahmenbedingungen ist ein wichtiges Ziel unserer Fachgesellschaft.“

Ein speziell geschulter Telenotarzt gibt dem Rettungsdienstpersonal von der Leitstelle aus über eine Live-Schaltung Hilfestellung. Dieses bundesweit einzigartige System wurde im April dieses Jahres in der Stadt Aachen eingeführt. Grundlage dafür waren die Forschungsprojekte „Med-on-@ix“ und „TemRas“ (telemedizinisches Rettungsassistenzsystem).

„Die Projekte haben gezeigt, dass die Patientensicherheit sogar gesteigert werden kann, wenn der Notarzt über die Telekonsultation einbezogen wird“, berichtet Dr. Jörg Brokmann, Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Aachen im Rahmen seines Vortrages auf dem DAC. Die Anamnese- und Therapievorschläge des telemedizinischen Systems beruhen auf allgemeingültigen Leitlinien. Den Experten zufolge könne somit offenbar eine bessere Versorgungsqualität bei bestimmten Krankheiten, wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch bei der akuten Schmerztherapie von Notfallpatienten, erreicht werden.

Wie das Forschungsprojekt „TemRas“ verdeutlichte, war die Unterstützung eines Telenotarztes alleine in 280 von insgesamt 401 ausgewerteten Einsätzen ausreichend. Andererseits hat der Telenotarzt in 34 Fällen die Notwendigkeit eines Notarztes am Einsatzort erkannt und diesen nachalarmiert. Bei 32 Einsätzen ist ein Notarzt von vornherein parallel ausgerückt. Doch die früher eingetroffenen Rettungsassistenten benötigten sofort ärztliche Beratung, die in der Zwischenzeit über den Telenotarzt erfolgte. In 52 Fällen konnte der Notarzt durch den Telenotarzt abgelöst werden. Er übernahm die weitere Behandlung sowie die Transportbegleitung, so dass der Notarzt für andere lebensbedrohlichere Einsätze wieder einsatzbereit war. Dafür werden die Vitalparameter des Patienten nach dessen Einwilligung an die Leitstelle übermittelt. Auch eine Video-Übertragung ist möglich. Schon während des Einsatzes kann der Telenotarzt weitere Informationen einholen, zum Beispiel bei medizinischen Datenbanken oder Ansprechpartnern in Kliniken und Praxen. Zudem wird eine direkte Anschlussbehandlung in der Klinik ermöglicht, indem der Telenotarzt die Einlieferung des Patienten vorab ankündigt.

„Durch den zielgerichteten Einsatz sind mehr Notärzte verfügbar“, betont Rossaint. Er weist darauf hin, dass sie „dadurch in erster Linie Patienten in lebensbedrohlichen Situationen versorgen können.“ Brokmann ergänzt: „Versorgungslücken in der medizinischen Rettungskette können so minimiert werden.“

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften