Erinnerung basiert auf zwei Gedächtnisformen

Der Name des Herren fällt einem beim
vertrautheitsbasierten Wiedererkennen
nicht ein; © PixelQuelle.de

Wie das Erinnerungsvermögen des Gehirns genau funktioniert, ist in der Gedächtnisforschung noch immer umstritten. Nun konnten Forscher eindeutig zeigen, dass unsere Erinnerungen nicht nur auf eine einzige Gedächtnisspur zurückgehen, zwei verschiedene Erinnerungswege führen zum Ziel: Vertrautheit und Rekollektion.

Mit einem von den Neuropsychologen der Universität des Saarlandes neu entwickelten Verfahren lassen sich die beiden Teilaspekte des Wiedererkennens, vertrautheitsbasiertes und rekollektionsbasiertes Wiedererkennen, getrennt untersuchen. Dazu wurden die Versuchsteilnehmer gebeten, sich die Gesichter von zwei Personen (z.B. Herr Müller und Frau Schmitz) oder zwei verschiedene Aufnahmen des Gesichts derselben Person (Herr Müller im Skiurlaub und bei einer Geburtstagsfeier) einzuprägen.

Das Ergebnis zeigt, dass zwei verschiedene Gedächtnisformen zusammenspielen : Beim Wiedererkennen der Aufnahmen zweier Personen fand sich im Gehirn ein zeitlich später Gedächtniseffekt über dem Scheitellappen. Dieser Effekt spiegelt das rekollektionsbasierte, bewusste Wiedererkennen von früheren Ereignissen wider. Dagegen zeigten die Hirnstrommessungen beim Wiedererkennen der beiden Aufnahmen derselben Person ausschließlich einen zeitlich frühen Gedächtniseffekt über dem Stirnlappen (Vertrautheit).

Unser Gedächtnis arbeitet also nach einem sehr ökonomischen Prinzip: Situationen und zusammengehörende Merkmale können von unserem Gehirn schnell und ohne großen Aufwand als vertraut eingeordnet werden: Begegnen wir beispielsweise Herrn Müller, erkennen wir ihn zwar aufgrund seines Tiroler Hutes und seines Schnurrbarts wieder, ohne dass uns jedoch sein Name eingefallen wäre (vertrautheitsbasiertes Wiedererkennen).

In Situationen, in denen solche Vertrautheitssignale nicht zur Verfügung stehen, werden unter höherem Aufwand Verknüpfungen verschiedenster Merkmale aus dem Gedächtnis abgerufen. Dadurch gelingt es uns, Herrn Müller beim nächsten Sonntagsspaziergang im Park mit seinem Namen zu begrüßen (rekollektionsbasiertes Wiedererkennen). Dies kann je nach Situation und Gedächtnisinhalt unterschiedlich gut gelingen.

MEDICA.de; Quelle: Universität des Saarlandes