Diese Erkrankung kann nach Worten von Dr. Daniel Lachance von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, USA, am besten als Immun-Polyradikuloneuropathie oder progressive inflammatorische Neuropathie bezeichnet werden. Sie wurde bislang bei 18 Angestellten eines Schlachthofes beschrieben, die alle mit Schweinefleisch arbeiteten. Das Besondere daran: Die Betroffenen hatten die Aufgabe, bei Schweineköpfen das Fleisch mit speziellen Luftdruckpistolen vom Schädelknochen zu trennen. Dabei, so vermuten die Spezialisten, wurde durch die Pistole Fleisch in winzige Stücke zerrissen und die Arbeiter atmeten die Fleischallergene als Aerosol ein, so dass es zu charakteristischen Symptomen kam.

Alle betroffenen Arbeiter wurden intensiv neurologisch untersucht. Dabei zeigte sich bei der serologischen Untersuchung ein Muster, das die Wissenschaftler der Klinik bislang noch selten gesehen hatten: So waren bei 13 Patienten die Liquorprotein-Spiegel erhöht und in der Magnetresonanztomographie konnte man erkennen, dass die Patienten verdickte Spinalwurzeln hatten. Zu den klinischen Beschwerden der Patienten gehörten eine Myelitis mit Schmerzen, Taubheitsgefühl, ein Ziehen in den Gliedmaßen, aber auch Müdigkeit und Schwäche. Nach Ansicht der Neurologen handelt es sich dabei weder um eine Infektion noch um eine durch Nahrungsmittel übertragene Erkrankung. Je nach Schwere der Symptome behandelten die Ärzte alle Betroffenen mit Methylprednisolon oder Immunglobulin.

Bislang hat sich die Erkrankung bei keinem der Patienten verschlechtert. Obwohl die Symptome noch bei allen nachweisbar sind, haben inzwischen fast alle wieder ihre Arbeit aufgenommen. Das Schlachtunternehmen, bei dem sie arbeiteten, hat den Einsatz der Luftdruckpistolen aber inzwischen ausgesetzt.

MEDICA.de; Quelle: American Academy of Neurology 60th Annual Meeting