Erkrankungen durch trockene Atemwege

Foto: Röntgenbild des Brustkorbs

Trockene Atemwege für verschiedene
Lungenerkrankungen verantwortlich;
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Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg. Im Tiermodell wiesen sie nach, dass eine mangelhafte Befeuchtung der Atemwegsoberflächen zu Lungenveränderungen führt, die für die chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen typisch sind.

Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert und dadurch die Zusammensetzung von Sekreten verändert ist. Mit Hilfe eines von ihm entwickelten Mausmodells gelang es Doktor Marcus Mall vom Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, den direkten Zusammenhang zwischen fehlerhaftem Gen und Entstehung der Lungenerkrankung nachzuweisen.

Bestimmte Natrium-Kanäle, die in der Oberfläche von Atemwegszellen für die Resorption von Salz und Wasser verantwortlich sind, sind "hyperaktiv". Die Zellen absorbieren zu viel Flüssigkeit und die Atemwegsoberflächen trocknen aus. Hierdurch entsteht ein "trockener", zäher Schleim, der nicht abtransportiert werden kann; die Reinigung der Lunge von inhalierten Allergenen und Schadstoffen funktioniert nicht mehr. Eine Verstopfung der Atemwege mit Schleimpfropfen und eine chronische Lungenentzündung mit schweren Störungen der Atmung sind die Folgen.

Die Forscher haben ebenfalls den Verlauf der Lungenerkrankung im Mausmodell von Geburt bis ins Erwachsenenalter untersucht. So führen zu trockene Atemwege bei jungen Mäusen zu einer allergischen Atemwegsentzündung. Bei erwachsenen Mäusen entsteht allmählich eine chronische Bronchitis, die mit einer Zerstörung der kleinen Lungenbläschen einhergeht. Diese sind bei der Atmung für den Austausch von Sauerstoff zwischen der Atemluft und dem Blut verantwortlich.

Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass zu trockene Atemwegsoberflächen eine Schlüsselrolle in der Entstehung chronisch- obstruktiver Lungenerkrankungen spielen könnten. Eine Therapie, so Mall, könnte deshalb an diesem Mechanismus ansetzen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg