Erstarkte Blase dank Muskelstammzellen

Höchst konzentriert: Florian May
während der Stammzellbehandlung
© TU München

Dadurch bilden die Muskelzellen neue Fasern aus und stärken so den Schließmuskel. Die Therapie wurde an der Urologischen Universitätsklinik in Innsbruck entwickelt und bei mehr als 170 Patienten angewendet. Die Urologische Klinik im Klinikum rechts der Isar bietet diese Operation jetzt auch in Deutschland an.

"Circa 30% aller Männer und Frauen über 60 Jahre in Deutschland leben mit einer gestörten Blasenkontrolle", berichtet Dr. Florian May, Oberarzt in der Urologischen Klinik.

Bei der Therapie entnimmt der Arzt in einer schmerzlosen Prozedur unter Lokalanästhesie dem Patienten eine Muskelbiopsie aus dem Oberarm. In einem Hochreinraumlabor kultivieren und vermehren Wissenschaftler diese Zellen, sodass schließlich eine ausreichende Menge an Stammzellen von Myo- und Fibroblasten zur Verfügung steht.

Einige Wochen später werden in einer kurzen Narkose in einem kleinen operativen Eingriff die körpereigenen Stammzellen in den Schließmuskel eingespritzt. Die Injektion erfolgt über die Harnröhre, sodass keine Schnittoperation erforderlich ist. Per Ultraschallkontrolle wird sichergestellt, dass die Zellen am richtigen Ort landen. Dort integrieren sich die neuen Zellen in den Zellverbund und übernehmen die spezifischen Aufgaben der Muskel- und Bindegewebszellen in Harnröhre und Schließmuskel.

In einer Studie mit 42 Harninkontinenz-Patienten konnte Professor Hannes Strasser aus Innsbruck zeigen, dass 83 Prozent nach der Stammzelltherapie geheilt waren. Bei 17 Prozent kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Harninkontinenz. Es traten keine Nebenwirkungen oder Komplikationen auf, so die Studienergebnisse. Zwischenzeitlich wurden mehr als 170 Patienten und Patientinnen mit dieser Methode therapiert. Sie sei jedoch nicht für alle Patienten mit Harninkontinenz geeignet.

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität München