Erstes Kind erhält wachsende Herzklappe

Photo: Arzt mit vierjährigem Patient auf dem Arm der Mutter

Wieder zum Spielen aufgelegt:
Herzpatient David auf dem Arm
seiner Mutter; © MHH

Professor Axel Haverich, Herzchirurg der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat erstmals ein von ihm entwickeltes Verfahren in Deutschland angewendet und einem Kind eine mitwachsende biologische Herzklappe implantiert. "Die Operation ist hervorragend verlaufen, der kleine Patient ist putzmunter", betonte Haverich. Bislang mussten Kinder mit Herzklappen mehrfach operiert werden, um ihrem Wachstum entsprechende größere Klappen zu erhalten.

Die neue Methode umfasst mehrere Schritte. Grundlage ist eine Klappe, die aus einem Spenderherz stammt. Mit besonderen Hilfsstoffen wird die Herzklappe von allen Zellen befreit, die vom Spender stammen. Übrig bleibt eine zellfreie Matrix, eine Collagenstruktur, die die Form der Herzklappe hat. Parallel wird dem Empfänger Blut entnommen und daraus werden Endothelzellen isoliert, also die Zellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden. Die Zellen werden vermehrt. In einem Bioreaktor besiedeln diese Zellen die Matrix.


Diese biologischen Herzklappen werden den Patienten implantiert. "Mittlerweile haben wir festgestellt, dass es sogar ausreicht, die von allen Spenderzellen befreite Herzklappen-Matrix zu verwenden", sagt Haverich, "denn der Körper des Empfängers besiedelt dieses Collagengerüst von allein mit seinen Zellen."


Bis zur ersten Implantation in Deutschland hatten die Mediziner bereits 18 Kindern in Moldawien mit der Therapie geholfen. Alexandru Manea war im Jahr 2002 das erste Kind, dem die MHH-Herzchirurgen in Moldawien eine Herzklappe des neuen Typs implantiert hatten. "Mir geht es prima", betonte der 17-Jährige. Seit sechs Jahren lebt er mit der mitwachsenden Herzklappe.


"Alexandru spielt Fußball und hat sich wie ein ganz normaler Jugendlicher entwickelt", erläuterte Professor Dr. Anatol Ciubotro, Direktor der Herzklinik Chisinau (Moldawien). Er hatte vor sieben Jahren Professor Haverich sofort eine Zusammenarbeit angeboten. In Deutschland konnte die Methode damals nicht angewandt werden, da die Genehmigungsbehörden auf die Ausgestaltung des europäischen Zulassungsrechts warteten. Mittlerweile sind die mitwachsenden Herzklappen als Arzneimittel eingestuft und müssen in Deutschland nach diesem Zulassungsprozedere genehmigt werden.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover