Erstes Knorpelregister ermöglicht Langzeitbeobachtung

10.02.2015
Foto: Arzt untersucht ein Männerknie

Das KnorpelRegsiter DGOU wurde nach Vorbild der skandinavischen Register zur Behandlung der Kreuzbänder aufgebaut und ging im Oktober 2013 an den Start; © panthermedia.net/ Pam Burley

Das weltweit erste Knorpelregister der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) führt gut ein Jahr nach seiner Einführung im Oktober 2013 über 800 Operationsdaten nach knorpelchirurgischen Eingriffen. Es verfolgt den Heilungsverlauf nach Knieoperationen zur Knorpelreparatur, auch unter aktiver Einbeziehung der Betroffenen, über einen Zeitraum von fünf Jahren und ermöglicht die Zusammenführung der Daten von bereits über 50 teilnehmenden Kliniken.

Die sich daraus ergebende umfangreiche Datenmenge erlaubt den Experten die präzise Beantwortung wissenschaftlicher Fragen, den Vergleich verschiedener Operationstechniken und die Auswertung von Komplikationen. „Mit dem erfolgreichen Start des KnorpelRegisters DGOU ergänzen wir unsere umfangreiche Registerarbeit im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, die die Versorgung unserer Patienten sicherer und effektiver machen soll“, sagt Professor Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOU.

Das Knie ist das für Verletzungen anfälligste Gelenk des Menschen. „Knorpelschäden, beispielsweise nach einem Sportunfall, werden in etwa 60 Prozent aller durchgeführten Kniearthroskopien diagnostiziert. Auch wenn viele dieser Knorpelschäden fortgeschrittene Schädigungen im Sinne einer Arthrose aufweisen, für die eine knorpelreparierende Therapie nicht mehr indiziert ist, so ist ein relevanter Anteil dieser Schädigungen für eine Knorpelersatzoperation geeignet“, sagt Professor Dr. Philipp Niemeyer von der AG Klinische Geweberegeneration der DGOU und Mitinitiator des KnorpelRegisters DGOU. Chirurgische Verfahren zur Regenerierung von Knorpelgewebe, zu denen Knorpelzelltransplantationen und knochenmarkstimulierende Techniken zählen, haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie dienen der Heilung des Knorpeldefekts durch den Einsatz körpereigenen Knorpelgewebes bzw. ermöglichen das Nachwachsen von Ersatzknorpelzellen.

Neben der Beschwerdelinderung dient die Knorpelchirurgie auch der Prävention von Arthrose. Denn viele der anfänglich klar umrissenen Knorpelschäden weisen eine Tendenz zur Ausweitung auf größere Knorpelflächen auf und stellen unbehandelt in vielen Fällen den Ausgangspunkt einer Arthrose dar. Eine Knorpelreparatur ist jedoch nur bei sehr kleinen Defekten möglich.

„Das KnorpelRegister DGOU ist eine Win-Win-Option für alle Beteiligten“, so Niemeyer weiter. Von dem Register profitieren die Wissenschaftler für die Versorgungsforschung und die Patienten, indem sie durch das regelmäßige Ausfüllen online-gestützter Fragebögen zum Zeitpunkt der Operation bis fünf Jahre danach einer besseren Kontrolle und Beurteilung ihres Genesungsverlaufes unterliegen. Und auch für bisher nicht am Register beteiligte Experten ergibt sich ein positiver Effekt – sie profitieren von den
Forschungsergebnissen und können zukünftig eine Knorpeltherapie auf neuestem medizinischem Niveau leisten“, sagt Niemeyer.

Erste Auswertungen und wissenschaftliche Publikationen aus dem KnorpelRegister plant die AG Klinische Geweberegeneration der DGOU für diesen Herbst. „Es wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis wir die Ergebnisse in eine Leitlinie einfließen lassen können“, sagt Niemeyer.

Das KnorpelRegsiter wurde nach Vorbild der skandinavischen Register zur Behandlung der Kreuzbänder aufgebaut und ging im Oktober 2013 an den Start. Nach erfolgreicher Implementierung des „Kniemoduls“ sind 2015 die Module „Sprunggelenk“ und „Hüfte“ dazugekommen. Das Register ist eine innerärztliche durch die Fachgesellschaft initiierte Qualitätssicherungsmaßnahme. Es arbeitet industrieunabhängig und wird unterstützt durch die Deutsche Arthrosehilfe e.V. und die Oscar-Helene-Stiftung. Die technische Umsetzung erfolgt in enger Kooperation mit dem Studienzentrum des Universitätsklinikums Freiburg.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.