Erzeugung gezielt möglich

Foto: Eine T-Zelle

Wenn man T-Zellen doch nur
schneidern könnte; © Charité

Die Wissenschaftler um Prof. Max Löhning konzentrieren sich auf die T-Helferzellen im Immunsystem. Einige wirken abwehrend gegen eindringende Viren, andere als langlebige Gedächtniszellen. Das heißt, sie erinnern sich an Erreger, die den Körper schon einmal geplagt haben und organisieren beim erneuten Angriff der gleichen Viren eine extrem wirkungsvolle Abwehr.

"Wir wollten wissen, ob sich die Zellen, die bereits Abwehrstoffe produziert haben, zu Gedächtniszellen entwickeln können", erklärt Prof. Löhning. "Bisher ging man davon aus, dass diese Zellen sehr schnell absterben". Erstmals gelang es den Forschern nun, sie zu isolieren, in neue Organismen umzusetzen und ihr Verhalten dort über längere Zeit zu beobachten. Das überraschende Ergebnis: Viele lebten noch Jahre nach der ersten Infektion und hatten sich tatsächlich in Gedächtniszellen verwandelt. Sie hatten sich die optimale Antwort auf ein ganz bestimmtes Virus gemerkt.

"Damit sind wir dem Ziel, maßgeschneiderte Gedächtnis-T-Zellen zu erzeugen, einen großen Schritt näher gekommen", sagt Löhning. Das ist wichtig für Menschen mit langwierigen Infektionskrankheiten, die auf Immunzelltherapien angewiesen sind. Ihnen werden Abwehrzellen entnommen, auf eine Immunantwort hin trainiert und wieder eingesetzt.

"Wir wissen jetzt, dass diese Therapien auch langfristig wirken können, weil Gedächtniszellen entstehen", erläutert Löhning. Bedeutsam könnte das Verfahren seiner Ansicht nach für die Entwicklung alternativer Impfstrategien in den Fällen sein, bei denen die herkömmliche Impfung mit Antikörpern versagt. Dazu könnte eines Tages auch das AIDS-Virus HIV gehören. Es verändert ständig seine Oberflächenstruktur und ist daher für Antikörper schlecht erkennbar. "Maßgeschneidert erzeugte Gedächtnis-T-Zellen könnten in der Lage sein, das Virus trotz dieser Verkleidungen wirkungsvoll zu bekämpfen", hofft Löhning

MEDICA.de; Quelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin