Trotz der bekannten Risiken von Bluttransfusionen werden sie noch immer häufig eingesetzt. Ein Team um Dr. Singh Gagandeep vom "University of Southern California-University Hospital" in Los Angeles, USA, hat jetzt gezeigt, dass es auch ohne Bluttransfusionen gehen kann, sogar bei Lebertransplantationen. "Wenn man sogar Lebertransplantationen, die zu den schwierigsten chirurgischen Eingriffen überhaupt gehören, ohne Bluttransfusionen machen kann, dann kann man wohl die allermeisten Operationen im Abdomen ohne Bluttransfusionen überstehen", so der Chirurg.

Dr. Gagandeep und seine Mitarbeiter erprobten ihre Methode bei 24 Angehörigen der Religionsgemeinschaft der "Zeugen Jehovas" deren Glaube Bluttransfusionen streng verbietet. 19 von ihnen erhielten zwischen Juni 1999 und Juli 2004 Transplantate von Lebendspendern. Zunächst behandelte man diese Patienten mit Erythropoetin und Eisensulfat sowie Folsäure, um deren Hämatokritwert anzuheben.

Die meisten der Patienten erhielten eine akute normovolämische Hämodilution und wurden unter den Bedingungen einer schwachen Anämie operiert. Außerdem fingen die Operateure Blutverluste auf und reinfundierten das Blut. Selbstverständlich wurden intraoperativ die einschlägigen Parameter der Koagulation geprüft und die Patienten bei Bedarf mit Faktor VIIa behandelt.

Alle Patienten überlebten die Transplantation ohne Bluttransfusion bis auf zwei der Operierten, die an einer schweren Nierendysfunktion litten.

Die kalifornischen Chirurgen glauben, damit den Beweis erbracht zu haben, dass die Chirurgie mit weit weniger Bluttransfusionen auskommen kann, als bislang. Selbst wenn man die Transfusion immer sicherer mache, bliebe stets das Restrisiko von Krankheitsübertragungen, schreiben die Mediziner. In zehn bis fünfzehn Jahren, so glauben sie, könne man weitgehend ohne Bluttransfusionen auskommen.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American College of Surgeons 2005, Vol. 201; S. 412-417