In den USA kommen jedes Jahr etwa 200.000 neue Fälle eines Mammakarzinoms hinzu. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich verbessert, so dass die Fünfjahres-Überlebensrate inzwischen bei 90 Prozent liegt. Nicht wenige der Patientinnen beklagen, dass sie durch die Chemotherapie kognitive Einbussen erleiden. Dieses Phänomen, das gelegentlich „chemobrain“ oder „chemofog“ genannt wird, ist nur schwer fassbar und deshalb bislang kaum untersucht worden. Idealerweise sollte man Frauen psychologisch und kognitiv testen, bevor sie die Diagnose eines Mammakarzinoms erhalten und dann noch einmal danach. Dies ist aber verständlicherweise kaum möglich. Ein australisches Medizinerteam hat jetzt einen Kompromiss versucht: Es testete Frauen nach der Karzinomdiagnose, aber vor der Chemotherapie und dann noch einmal danach.

30 Frauen nahmen an dieser Studie teil. Vor jedem Chemotherapiezyklus wurden sie untersucht und dann noch einmal 28 Tage nach dem letzten Zyklus. 30 gesunde Frauen dienten als Kontrollgruppe.

Bereits nach der Diagnose, aber vor Beginn der Chemotherapie schnitten die Frauen mit Brustkrebs in verschiedenen Lerntests signifikant schlechter ab als die Frauen der Kontrollgruppe. Nach dem Ende der Chemotherapie hatte sich bei den Patientinnen nur ein einziger Testparameter signifikant verschlechtert gegenüber dem Ausgangswert: die Schnelligkeit des Erkennens von Wörtern oder Bildern (p gleich 0.008). Gemessen wurden auch etwaige Angststörungen der Frauen oder Depressionen. Die Studienleiter waren erstaunt darüber, dass die Werte auf den Angst- beziehungsweise Depressionsskalen nicht mit der kognitiven Leistungsfähigkeit der Frauen korrelierten.

Aus diesem Ergebnis schließen die Studienleiter, dass Frauen nach einer Brustkrebsdiagnose und Chemotherapie tatsächlich kognitiv nachlassen können. Sie führen das aber eher auf die Diagnose selbst als auf die Chemotherapie zurück.

MEDICA.de; Quelle: American Academy of Neurology 60th Annual Meeting Abstract S06.004