Es kommt Licht ins Dunkel

B-Lymphozyten, oder kurz B-Zellen, sind weiße Blutkörperchen, die Antikörper gegen Krankheitserreger produzieren und uns so vor Infektionen schützen. Ausgehend von Blutstammzellen entstehen in unserem Körper jeden Tag in mehreren Entwicklungsschritten Millionen neuer B-Zellen. Bislang war bekannt, dass sich aus den Blutstammzellen Vorläufer-B-Zellen entwickeln, die mithilfe eines speziellen Rezeptors, des prä-B-Zellrezeptors selektioniert und vermehrt werden. Ohne den prä-B-Zellrezeptor können keine funktionierenden Abwehrzellen entstehen und es kommt zu einer schwerwiegenden Immundefizienz.

Es wurde vermutet, dass nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip der prä-B-Zellrezeptors einen Partner (genannt Liganden) benötigt, um funktionieren zu können. Nach diesem Liganden suchten die Forscher seit langem mit der Vermutung, er werde von anderen Zellen des Knochenmarks gebildet. Nun haben Freiburger Wissenschaftler um Doktor Hassan Jumaa das Rätsel gelöst und dabei eine unerwartete Entdeckung gemacht: Der prä-B-Zellrezeptor trägt seinen eigenen Liganden in Form einer speziellen Zuckereinheit, die direkt an den Rezeptor angeheftet ist. Wenn diese spezifische Zuckereinheit auf genetischem Wege entfernt wird, verliert der prä-B-Zellrezeptor seine Fähigkeit, die Vermehrung von Vorläufer B-Zellen zu aktivieren. „Den Liganden des prä-B-Zellrezeptors als Teil seiner selbst aufzuspüren, ist so, als würde man einen Schatz im eigenen Vorgarten finden, nach dem jeder in der weiten Welt jagt“, so Rudolf Übelhart, Doktorand der Freiburger Speemann Graduiertenschule für Biologie und Medizin (SGBM) und Erstautor der Studie.


MEDICA.de; Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau