Ethik in der Medizin - Nachwuchspreis 2015 an Schweizerin

09.10.2015
Foto: Janine Graf-Wäspe

Der Nachwuchspreis der AEM geht an Janine Graf-Wäspe für ihren Beitrag über die Legitimität von Schein-Elementen in der Betreuung von Menschen mit Demenz; © privat

Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) hat die Schweizer Ethikerin Janine Graf-Wäspe mit dem AEM-Nachwuchspreis 2015 ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die AEM ihre Arbeit über die Legitimität des Einsatzes von Schein-Elementen in der Betreuung von Menschen mit Demenz.

Die Anzahl an Menschen mit einer Demenzerkrankung nimmt stetig zu. Knappe Pflegeressourcen und Kostendruck verschärfen die schwierige Frage nach dem richtigen Umgang mit demenzerkrankten Menschen. Oft sind diese nicht mehr dazu in der Lage, kognitiv zwischen Realität und Illusion zu unterscheiden. Neue Betreuungsformen, wie virtuelle Zugfahrten oder nicht bediente Bushaltestellen, kommen in der Unterbringung und Betreuung von Menschen mit Demenz vermehrt zum Einsatz. Ziel des Einsatzes solcher sogenannter "Schein-Elemente" soll es sein, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz positiv zu beeinflussen. Dies führt zu neuen Fragen: Ist die Verwendung solcher Schein-Elemente moralisch zulässig? Rechtfertigt der positive Effekt auf die Lebensqualität die Täuschung von Menschen mit Demenz? Oder ist das Vorleben einer falschen Realität als Würdeverletzung zu verurteilen?

Zu diesen Fragen hat Graf-Wäspe im Rahmen ihrer Masterarbeit einen Beurteilungsvorschlag sowie Empfehlungen für Institutionen erarbeitet, die Schein-Elemente einsetzen wollen. Dazu zeigt sie zunächst Charakteristika von Schein-Elementen und deren Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit Demenz auf. Sie betrachtet die damit einhergehende Täuschung aus deontologischer und utilitaristischer Perspektive. Ihr Beitrag betont die Motivation, mit welcher Schein-Elemente bei der Betreuung von Menschen mit Demenz eingesetzt werden: Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine in Kauf genommene Irreführung, beispielsweise durch eine nicht bediente Bushaltestelle, ein moralisch zulässiges Mittel ist, um Not, Leiden und Stress im Betreuungsalltag von Demenzerkrankten zu vermindern. Von intendierter Täuschung oder bewussten Lügen sollte jedoch abgesehen werden.

Der Nachwuchspreis wurde im Rahmen der Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin am 25. September 2015 in Frankfurt am Main verliehen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Mehr über die AEM unter: www.aem-online.de