Ethische Hilfestellung für eine menschliche Medizin

Bei ethischen Entscheidungen
entsteht viel Gesprächsbedarf
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Moderne Medizin und technischer Fortschritt machen heute vieles möglich. Doch muss tatsächlich immer alles gemacht werden, was technisch machbar ist? Ist nicht besonders am Lebensende oft "weniger Apparateeinsatz" gleich "mehr humane Medizin"? Doch wer entscheidet im Ernstfall, was wirklich nötig ist und was nicht? Bei solchen und ähnlichen ethischen Grenzfragen bietet das Universitätsklinikum Jena (UKJ) jetzt seinen Patienten, deren Angehörigen und den eigenen Mitarbeitern eine besondere Beratungsmöglichkeit: Die klinische Ethikberatung.

Die Hilfestellung bei ethischen Konflikten erfolgt durch die Mitglieder des interdisziplinären Ethikkomitees des Klinikums, dem neben Medizinern auch Juristen, Psychologen, Pfleger, Philosophen und Seelsorger angehören. Laut der Ärztin, die dem Ethikkomitee am UKJ vorsitzt, handelt es sich dabei meist um emotional schwierige Entscheidungssituationen am Lebensende.

"Es geht fast immer um die Frage, wie eine Behandlung weitergeführt werden soll. Das kann beispielsweise heißen, dass Angehörige die Ärzte um einen Abbruch der Therapie bitten, um ein sinnloses Leiden der schwerkranken Patienten abzukürzen. Oder im Gegenteil immer neue Behandlungen einfordern, um das Unvermeidliche hinauszuzögern", so van Oorschot. Solche Situationen können zu Konflikten führen, die im hektischen Klinikalltag nicht einfach aufzulösen sind. Ein Ausweg ist dann die Bitte um Unterstützung durch die ehrenamtlichen Ethikberater.

Diese bringen alle Beteiligten zu einem vertraulichen Gespräch zusammen und suchen gemeinsam nach ethisch begründeten und für alle akzeptablen Lösungen. "Es hat sich bei uns bestätigt, dass die Konflikte zu 90 Prozent aus Kommunikationsproblemen und Missverständnissen entstehen, die in einem ruhigen Gespräch aufgelöst werden können", so Skorsetz. Die Entscheidung über die weitere Therapie trifft auch danach nur der behandelnde Arzt, doch jetzt im Wissen um die Sorgen und Ängste von Patienten, Angehörigen und Pflegenden.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Jena