Führt das Bräunen in die Sucht?

Für manche heißt es Entzug,
wenn sie hinter den Wolken
verschwindet; © PixelQuelle.de

Wer sich häufig auf die Sonnenbank legt, zeigt nicht selten Züge eines süchtigen Verhaltens. Experten vermuten, dass Endorphine in der Haut freigesetzt werden, wenn UV-Strahlen auf den Körper treffen. Tatsächlich jedenfalls hat Bräunen eine Einfluss auf die Stimmung. In einer kleinen Studie sollte nun untersucht werden, ob es zu Entzugssymptomen kommt, wenn regelmäßige Besucher der Sonnenbank von ihrer Gewohnheit lassen.

Acht Personen nahmen an dieser Studie teil. Alle waren regelmäßige Besucher von Bräunungsstudios, das heißt sie ließen sich acht bis 15 Mal pro Monat bräunen. Acht weitere Personen, die höchstens zwölf Mal pro Jahr die Sonnenbank aufsuchen, dienten als Kontrollgruppe.

Den Probanden beider Gruppen verabreichten die Studienleiter Naltrexon als Opioid-Antagonisten oder Placebo. Wirkstoffe aus der Gruppe der Opiod-Antagonisten blockieren den Effekt des Bräunens auf den Endorphinhaushalt des Körpers. Nach der Medikamentengabe bräunten sich die Probanden in randomisierter Reihenfolge in Bräunungsvorrichtungen mit beziehungsweise ohne UV-Licht. Danach mussten die Probanden angeben, in welchem Bräunungsbett sie sich wohler gefühlt hatten.

Unter Placebo und 5mg Naltrexon präferierten die häufigen Bräuner den UV-Stimulus. Unter Naltrexon 15 und 25 mg verringerte sich die Präferenz der häufigen Bräuner für UV-Exposition. Probanden, die sich selten bräunten, zeigten unter Placebo eine geringe Präferenz für UV-Stimuli. Und vor allem: Vier von acht Häufig-Bräunern meldeten unter Naltrexon 15 mg unerwünschte Effekte wie Übelkeit und Zittern. Bei zweien von ihnen waren die Beschwerden so stark, dass sie die Studie sogar abbrachen. Die Studienleiter werteten diese unerwünschten Wirkungen als Entzugssymptome.

Obwohl die Studie sehr klein war und nur vorläufige Aussagen zulässt, weist sie nach Ansicht der Studienleiter dennoch darauf hin, dass beim häufigen Bräunen eine leichte Abhängigkeit von Opioiden auftritt.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American College of Dermatology 2006, Vol. 54, S. 709-711