Der essentielle Tremor ist eine der häufigsten neurologischen Störungen bei Erwachsenen. Propranolol und Primidon werden gewöhnlich eingesetzt, um diesen Tremor zu therapieren. Man schätzt allerdings, dass etwa 30 Prozent der Betroffenen auf keinen der beiden Wirkstoffe ansprechen.

Eine Gruppe von Experten hat nun Leitlinien für die Behandlung des essentiellen Tremors entworfen, indem sie die verfügbaren Daten zu diesem Krankheitsbild sammelten und analysierten. Mit Hilfe der einschlägigen Datenbanken suchten sie vor allem nach Studien aus den Jahren zwischen 1966 und 2004.

Nach Auswertung des großen Datenschatzes empfehlen die Experten nun, Propranolol und Primidon beim Gliedertremor einzusetzen. Ob diese Wirkstoffe auch beim Tremor des Kopfs helfen, können die Studien nicht eindeutig nachweisen. Verschiedene andere Wirkstoff wie Alprazolam, Atenolol, Gabapentin, Sotalol und Topiramat können bei diesen Tremorformen möglicherweise helfen, werden aber eher in der second-line-Therapie empfohlen.

Möglicherweise ist die Kombination aus Primidon und Propranolol bei der Therapie des Gliedertremors der Monotherapie überlegen, ohne die Nebenwirkungen zu verschlimmern. Das Expertengremium empfiehlt, die Kombination dann einzusetzen, wenn einer der beiden Wirkstoffe alleine nicht die gewünschte Wirkung zeigt.

Gute Ergebnisse beim Gliedertremor zeigt offenbar die Thalamotomie, obwohl das Risiko von unerwünschten Wirkungen nicht wegzudiskutieren ist. Ob die Thalamotomie beim Tremor des Kopfes ausreichende Wirkung zeigt, konnte durch Studien nicht zweifelsfrei belegt werden.

Insgesamt gibt es zu wenig valide Daten zur Behandlung des essentiellen Tremors, klagt die Expertengruppe. Weitere doppel blinde Studien sollen die Datenbasis für künftige Leitlinien verbessern.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2005, Vol. 64, S. 2008-2020