Fairness abhängig von intuitiven Prozessen

Zwei Fußballerbeine kurz vor einem Foul

Fair oder nicht fair - hängt
vom Schiedsrichter ab
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"Wir konnten zeigen, dass die Theorie des Gerechtigkeitsmotivs, die beispielsweise im Schulbereich bereits etabliert ist, auch im Fußball angewandt werden kann", sagt Professor Claudia Dalbert von der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). "Menschen orientieren sich in ihrem Verhalten häufig an Maßstäben der Gerechtigkeit: sie leiden unter Ungerechtigkeiten, sie fordern Gerechtigkeit ein."

Die entsprechenden Prozesse laufen im Gehirn auf einer expliziten und einer impliziten Ebene ab. "Einmal kann man sich vornehmen, gerecht zu handeln, es ist einem wichtig. Auf der anderen Seite gibt es unbewusste Prozesse, da regiert die Intuition. Entscheidend ist hierfür, ob sich jemand selbst gerecht behandelt fühlt."

117 Fußballspieler aus 14 Vereinen wurden von Wissenschaftlern befragt, von der Kreis- bis zur Verbandsliga. Dabei ging es um die Bereitschaft zu unfairen Aktionen wie Fouls und Schwalben, aber auch um Berichte über Regelverstöße in der Vergangenheit. Eine Rolle spielte auch die Bereitschaft zu informeller Fairness, also fairen Gesten. Die Aussagen verglichen die Forscher mit der Statistik über die tatsächlichen, geahndeten Regelverstöße der Spieler in der vorherigen Saison, indem sie ihre gelben, gelb-roten und roten Karten erfassten.

Es zeigte sich: Die Wahrscheinlichkeit vieler Karten war bei Fußballspielern mit einer hohen Bereitschaft zur Fairness genauso groß wie bei solchen mit einer geringen Bereitschaft zur Fairness.

Dalbert meint dazu: "Wir in der Gerechtigkeitspsychologie wissen: Die Rückmeldung über meinen eigenen Wert hat eine große Bedeutung für mein Gerechtigkeitserleben. Gerade in Zwangsgemeinschaften ist das wichtig, und um eine solche handelt es sich auf dem Fußballplatz. Dort stehen 22 Spieler, die sich fragen: Werden wir alle gleich behandelt? Wir konnten nun zeigen: Zentraler Faktor für das Gerechtigkeitserleben im Fußball ist der Schiedsrichter." Denn: Die Einschätzung der Gerechtigkeit des Referees sei die einzige Variable, die alle Dimensionen der Fairness der Spieler erkläre und die auch mit der Anzahl der Karten in Verbindung stehe.

MEDICA.de; Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg