"Fusionen sind mittlerweile ja ein alltägliches Phänomen", beobachtet die Psychologin Ilka Gleibs von der Friedrich- Schiller-Universität Jena. Kaum vergehe ein Tag, an dem nicht von einer Fusion in der Wirtschaft berichtet wird. "Doch aus finanzieller Sicht scheitert mehr als die Hälfte dieser Fusionen", weiß die Doktorandin.

Die Gründe dafür, so vermutet Ilka Gleibs, liegen zumindest teilweise im mangelnden Integrationsmanagement. "Bei Fusionen werden Menschen zusammengeführt, die statt - wie bisher - in Konkurrenz zu stehen, plötzlich ein gemeinsames Ziel verfolgen."

In ihrer Untersuchung nahm Ilka Gleibs die Fusion der Universität Lüneburg und der Fachhochschule Lüneburg unter die Lupe. Wie ihre Untersuchung ergab, identifizieren sich die Betroffenen auch noch lange nach der Fusion stärker mit ihrer ursprünglichen Hochschule als mit der neuen Institution.

Ausschlaggebend für die Identifikation mit der neuen Organisation sei unter anderem die im Fusionsprozess wahrgenommene Fairness. "Je mehr die Betroffenen das Gefühl haben, dass ihre alte Organisation fair behandelt wurde, desto eher sind sie auch bereit, sich mit der neuen Organisation zu identifizieren", so die Jenaer Psychologin.

Für die Praxis bedeute dies, dass Beteiligte von Fusionen immer wieder die Möglichkeit haben sollten, ihre Vorstellungen und negative emotionale Reaktionen zu artikulieren. "Nur so lässt sich Problemen, Ängsten und Widerständen, die während des gesamten Veränderungsprozesses auftreten, entgegenwirken."

Für die wissenschaftliche Präsentation ihrer Studienergebnisse wurde Ilka Gleibs mit einem dritten Preis im Wettbewerb des Deutschen Studienpreises ausgezeichnet. Der von der Körber-Stiftung alljährlich ausgeschriebene Wettbewerb stand dieses Mal unter dem Titel "Mittelpunkt Mensch?“.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena