Hirnblutungen machen etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle aus. Meist sind sie tödlich. Nur 20 Prozent der überlebenden Patienten tragen keine schweren Behinderungen davon. Besonders problematisch sind Nachblutungen, die vor allem in den ersten drei Stunden nach den ersten Symptomen auftreten. Bislang stehen den Ärzten bei dieser Form des Schlaganfalls keine Behandlungsmöglichkeiten offen.

Eine Studie macht jetzt Hoffnung auf eine neue Therapie mit einem Medikament, das die Blutgerinnung fördert. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein gentechnisch hergestelltes Gerinnungseiweiß, den Faktor-VII, der üblicherweise bei Patienten, die an der vererbten Bluterkrankheit leiden, zur Blutstillung eingesetzt wird. An der Schlaganfall-Studie nahmen insgesamt 399 Patienten teil, die wegen einer schweren Hirnblutung in die Klinik aufgenommen worden waren. Sie erhielten entweder das Medikament oder ein unwirksames Placebo.

Die Studie wurde an 73 Zentren in 20 Ländern durchgeführt. Es konnte nicht nur die Zahl der Patienten, die nach der Hirnblutung starben oder schwere Behinderungen davontrugen signifikant gesenkt werden, sondern es erhöhte sich auch die Zahl der Patienten, die keine oder nur eine leichte Behinderung hatten. Das Ausmaß der Blutung - sichtbar im Computertomogramm - wurde ebenfalls deutlich reduziert. Durch die Behandlung konnte die Mortalität gesenkt und das klinische Ergebnis verbessert werden, obwohl eine leicht erhöhte Rate von Gefäßverschlüssen auftrat.

Noch ist das Medikament nicht zugelassen, weil die Daten in einer weiteren Studie bestätigt werden müssen. Sollte das Medikament zugelassen werden, würde dies erstmalig eine Therapie der Hirnblutung ermöglichen. Darum sollen nun schnell weitere Studien folgen.


MEDICA.de, Quelle: New England Journal of Medicine 2005, Vol. 352, S. 828-830