Lungenentzündung: Faktor für gestörte Immunantwort gefunden

23.07.2013
Foto: Lunge

Die Lungenentzündung ist laut Welt-
gesundheitsorganisation WHO die weltweit am häufigsten zum Tod füh-
rende Infektionskrankheit; © panther-
media.net/Sebastian Kaulitzki

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien haben herausgefunden, dass ein Protein die Immunantwort des Körpers bei einer Lungenentzündung stört.

Makrophagen, die so genannten Fresszellen, spielen bei der Abwehr von Bakterien und Erregern durch das Aktivieren entzündlicher Prozesse eine wichtige Rolle. Bei der durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung (Pneumonie) wird diese wichtige Funktion der Immunantwort durch das Protein Lipocalin 2 behindert und gebremst. Das haben Wissenschaftler der MedUni Wien unter der Leitung von Sylvia Knapp, Leiterin des Labors für Infektionsbiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, herausgefunden.

„Je höher der Lipocalin-2-Wert, desto schlechter die Prognose“, fasst Knapp zusammen. Das Protein, das generell bei der Aufnahme von Eisen im Körper sehr wichtig sein kann, behindert die Makrophagen dabei, die wichtigen Entzündungsprozesse zu starten. Wodurch das geschieht, ist jedoch noch ungeklärt.

Dabei spielt Lipocalin 2 eine Doppelrolle, erklärt Knapp: „Zum einen deaktiviert es selbst die Makrophagen, zum anderen ist es ein Marker für deaktivierte Fresszellen.“ Lipocalin 2 könnte man künftig also auch als Biomarker für die Pneumonie einsetzen.

Zudem stellten die Forscher fest, dass bei Intensivpatient mit Pneumonie, die mit einem Cortison-Spray behandelt wurden, Lipocalin 2 ebenfalls erhöht ausgeschüttet war, also genau das Gegenteil der erwünschten Wirkung eingetreten war. Knapp: „Das bedeutet, dass die Betroffenen den Cortison-Spray zumindest dosiert einsetzen sollten.“

Die Lungenentzündung ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO die weltweit am häufigsten zum Tod führende Infektionskrankheit, jährlich sterben daran Schätzungen zufolge zwischen drei und vier Millionen Menschen. Besonders alte und geschwächte Menschen sind gefährdet – aber auch Kleinkinder und Babys. Rund 40 Prozent aller Lungenentzündungen werden durch Pneumokokken ausgelöst.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien