Was zur dilatative Kardiomyopathie (DCM) führt, ist in den meisten Fällen unklar. Bei rund einem Drittel der Patienten geht man allerdings davon aus, dass die Erkrankung durch eine Virusinfektion ausgelöst wurde. Dabei verursachen Enteroviren eine Entzündung im Herzmuskelgewebe, auf die das körpereigene Abwehrsystem reagiert – nur leider falsch. Es bildet Autoantikörper, die das Herzgewebe angreifen.

So können bei DCM-Patienten eine Vielzahl von Autoantikörpern gegen kardiale Strukturen nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um Autoantikörper bestimmter Subklassen, die eine entscheidende Rolle für Entstehung und Verlauf der Herzerkrankung spielen. „Wir konnten zeigen, dass schon eine teilweise Entfernung dieser Antikörper zu einer dramatischen Verbesserung führt“, so PD Dr. Alexander Staudt von der Inneren Klinik B in Greifswald.

Genau hier soll ein neues Gerät ansetzen: CardioImmun, das die schädlichen Antikörper entfernt, ohne dabei die Abwehrkraft des Patienten noch weiter zu schwächen. Denn dieses Verfahren zielt allein auf bestimmte Gruppen von schädlichen Antikörpern. Andere Antikörper, die für die Immunabwehr des Körpers wesentlich sind, werden dagegen verschont. Mit Milliarden von kleinen spezialisierten Fangarmen (Peptiden) befreit CardioImmun das Blut der DCM-Patienten ganz gezielt von den ursächlichen Autoantikörpern. Das geschieht außerhalb des Körpers, und sehr schnell.

Möglich wird dies durch die neue Membran-Adsorptions-Technologie. Das Blut strömt dabei durch eine feine, aus Membranen gebildete Nanostruktur. Die krankmachenden Autoantikörper werden dabei physikochemisch an speziell dafür designte Peptide gebunden. Dieser spezielle Aufbau erweist sich als trickreich und sehr effektiv. Denn ein frühzeitiger Einsatz von CardioImmun kann den Krankheitsverlauf und die Sterblichkeit bei DCM-Patienten deutlich verbessern. Die spezifische Entfernung der Autoantikörper senkt Infektionsrisiko, Behandlungszeit und -kosten und macht die Therapie effizienter.

CardioImmun hat gute Chancen, künftig zur Standardtherapie bei DCM zu werden. Aber auch bei anderen Erkrankungen soll sich die Methode bewähren. „Basierend auf CardioImmun können auch neue Therapieformen für andere Krankheiten wie rheumatoide Arthritis oder systemischer Lupus Erythematodes entwickelt werden“, so Dr. Ulrich Baurmeister von der Medizinischen Klinik Berlin.

Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 1,5 Millionen Euro für die Durchführung eines Transferprojekts gefördert werden.