Fast jede zweite Neueinstellung ist befristet

Im öffentlichen Dienst sind sogar zwei Drittel der neuen Arbeitsverträge befristet. Auch in den Branchen Gesundheit/Sozialwesen und Erziehung/Unterricht sowie bei den Nonprofit-Organisationen könnten Befristungen heute schon als das "Normaleinstellungsverhältnis" bezeichnet werden, sagt der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Christian Hohendanner.

Zwischen 1996 und 2006 ist der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse an der betrieblichen Gesamtbeschäftigung von unter vier auf über sechs Prozent gestiegen - ein Anstieg um 65 Prozent. Mehr als zwei Millionen Arbeitskräfte sind auf Basis eines befristeten Vertrags tätig. Befristungen würden bei den sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen eine weitaus größere Rolle spielen als Leiharbeit oder Praktika, so Hohendanner.

Lediglich ein Viertel aller befristeten Verträge in der öffentlichen Verwaltung mündet in einer Übernahme. Im produzierenden Gewerbe hingegen werden fast zwei Drittel übernommen. Befristungen hätten dabei häufig den Charakter verlängerter Probezeiten, merkt Hohendanner an.

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung seien dagegen die Sparbemühungen der öffentlichen Hand maßgeblich. Da im öffentlichen Dienst für unbefristet Beschäftigte de facto Unkündbarkeit herrsche, komme hier als Instrument der Flexibilisierung nur die Befristung in Frage: "Eine personalpolitische Vorbildfunktion erfüllen Betriebe mit exzessiver Befristungspraxis nicht“, kommentiert Hohendanner.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung