Bei Bauchschmerzen kann sich der Verdacht auf eine Appendizitis ergeben. Die Diagnose einer solchen Blinddarmentzündung ist nicht immer sicher zu stellen. Oft zeigt sich dann nach der Appendektomie, dass der Blinddarm keinerlei pathologische Zeichen aufwies. Solche so genannten negativen Appendektomien machen bis zu 15 Prozent aller Blinddarmoperationen aus. Die Einführung der Computertomographie und des Ultraschall haben diese Situation nicht entscheidend verbessern können.

In einer Studie sollte jetzt untersucht werden, welche Merkmale Risikofaktoren einer negativen Appendektomie sind. Es gibt nämlich Hinweise darauf, dass Patienten mit einer erhöhten Sensibilität für Bauchschmerzen und solche mit einem Reizdarmsyndrom zu negativen Appendektomien neigen.

Durchgeführt wurde diese Studie am Taipei Veterans General Hospital in Taiwan. Die taiwanesischen Ärzte untersuchten 430 Patienten, die sich an diesem Krankenhaus einer Notfall-Appendektomie unterzogen hatten.

Bei 15,8 Prozent aller Operationen stellte sich heraus, dass der Blinddarm nicht betroffen war. Als man sich die Patienten dann näher ansah, zeigten sich bestimmte Merkmale, die das Risiko einer negativen Appendektomie erhöhen: So sind offenbar mehr Frauen als Männer von einer solchen falschen Diagnose betroffen. Liegt ein Reizdarmsyndrom vor, erhöht sich das Risiko einer negativen Appendektomie auf das 2,17-fache. Bei übergroßer Ängstlichkeit steigt das Risiko auf das 1,12-fache. Nicht überraschend war die Rate negativer Appendektomien auch bei jenen Patienten überdurchschnittlich hoch, bei denen die „typischen“ Zeichen einer Blinddarmentzündung fehlten wie etwa Schmerzen oder Abwehrspannung.

Trotz aller Bemühungen werde man eine 100 Prozent sichere Diagnose wohl auch bei noch besseren Diagnosetechniken nicht erreichen können, meinen die Studienleiter.

MEDICA.de; Quelle: Gut 2007, Vol. 56, S. 655-660