Umwelt: Feinstaub und Lärm erhöhen Herzrisiko

10.04.2013

Foto: Landendes Flugzeug

Feinstaub und Fluglärm könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankun-
gen erhöhen; © panthermedia.net/
Daniel Bolloff

Anhaltende Feinstaubbelastung, nächtlicher Verkehrs- und Flugzeuglärm könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, indem sie zur Entstehung von Atherosklerose beitragen und die Gefäßfunktion beeinträchtigen.

Das ist das Fazit von zwei aktuellen Studien. In der Heinz Nixdorf RECALL Studie ging ein Forscherteam aus Düsseldorf, Essen und Moers unter anderem der Frage nach, warum das Wohnen an verkehrsreichen Straßen die Bildung einer subklinischen Atherosklerose (also einer noch nicht hochgradigen Gefäßverkalkung ohne einengende Anteile) fördert. Analysiert wurden die Daten von insgesamt 4.238 Studienteilnehmern, die einer anhaltenden Feinstaubbelastung (aerodynamischer Diameter <2,5 µg) und nächtlichem Verkehrslärm ausgesetzt waren. Beide Faktoren trugen zu einer verstärkten Verkalkung der Aorta bei. „Langfristige Feinstaubbelastung und nächtlicher Verkehrslärm sind unabhängig voneinander mit subklinischer Atherosklerose assoziiert“, fassen die Studienautoren ihre Ergebnisse zusammen.

In einer gemeinsamen Untersuchung der Universitätsmedizin der Universität Mainz und der University of Pennsylvania School of Medicine untersuchten Forscher an 75 gesunden Freiwilligen, wie sich nächtlicher Fluglärm (30 oder 60 Lärmepisoden von mehr als 40 bis maximal 60 Dezibel) auf Gefäßfunktion, Blutdruck, Herzrate und Stresshormone auswirkt. Waren die Versuchspersonen in einer Nacht 60 Fluglärm-Episoden ausgesetzt, verringerte sich die flussvermittelte Vasodilatation – eine Messgröße für die Gefäßfunktion – von durchschnittlich 10,36 auf 9,51 Prozent. Der Blutdruck stieg von durchschnittlich 109,75 mmHg auf 114,91 mmHg bei 30 und auf 115,21 mmHg bei 60 Lärmepisoden. Auch der Adrenalinspiegel stieg signifikant an (von durchschnittlich 28,56 ng/l auf 32,96 bzw. 34,0 ng/l).

„Nächtlicher Fluglärm beeinträchtigt die Gefäßfunktion und stimuliert die Andrenalinausschüttung, und das auch bei gesunden Menschen“, so die Studienautoren. „Es ist also auch bei Menschen mit niedrigem Risiko ein negativer Effekt von Lärm auf die vaskuläre Funktion festzustellen.“

„Die Daten zeigen, dass bei Menschen, die Luftverschmutzung und Lärmbelastungen ausgesetzt sind, längerfristig ein negativer Einfluss auf die Risikofaktoren Gefäßwandveränderung und hoher Blutdruck entsteht“, kommentiert Professor Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.