17.08.2005

InterComponentWare AG

Feldtest für elektronische Gesundheitskarte in Walldorf beginnt

Walldorf, 22. Juni 2005 – Den ersten Feldtest ihrer Gesundheitskarten-Lösung startet die InterComponentWare AG (ICW) am heutigen Mittwoch in Walldorf. Erster Testpatient mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte ist der Walldorfer Bürgermeister Heinz Merklinger.

Als Bürgermeister Merklinger kurz nach halb eins die Praxis seiner Hausärzte Dr. Günter Willinger und Dr. Joachim Ullmann betritt, fällt der offizielle Startschuss für den Feldtest der neuen elektronischen Gesundheitskarte in Walldorf: Arzthelferin Andrea Weis liest die neue Karte ähnlich wie bei der bisherigen Krankenversichertenkarte im Chipkartenlesegerät am Empfangstisch ein. Neu ist, dass das System online die Gültigkeit der Gesundheitskarte überprüft, um einen möglichen Kartenmissbrauch zu verhindern: Unrechtmäßig erhaltene Leistungen kosten das deutsche Gesundheitssystem heute jährlich zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Euro.

Im Behandlungszimmer greift der Arzt Dr. Willinger mit Hilfe der elektronischen Gesundheitskarte und mit Zustimmung des Patienten Merklinger auf dessen Krankheitsvorgeschichte zu, die in seiner persönlichen elektronischen Gesundheitsakte gespeichert ist. Auf Basis dieser Informationen führt er eine zielgerichtete Untersuchung durch. Die (in diesem Fall fiktive) Diagnose: Bluthochdruck. Um ein genaueres Krankheitsbild zu erhalten, überweist er seinen Patienten an einen Spezialisten, der unter anderem eine Echokardiographie vornehmen soll. Dazu schreibt er einen elektronischen Arztbrief, der in der persönlichen Gesundheitsakte des Patienten bereitgestellt wird. Außerdem erstellt er ein eRezept über ein blutdrucksenkendes Mittel, das er direkt am Bildschirm signiert. Das Gesundheitskarten-System speichert das Rezept automatisch auf der elektronischen Gesundheitskarte und parallel in verschlüsselter Form auf einem eRezept-Server in der Gesundheitskarten-Infrastruktur. So wird sichergestellt, dass nur der Patient und sein Apotheker auf das eRezept zugreifen können.


Nach dem Arztbesuch geht Patient Merklinger mit seiner elektronischen Gesundheitskarte in die nahe gelegene Stadt-Apotheke. An einem Patiententerminal kann er dort die auf seiner Gesundheitskarte gespeicherten persönlichen Daten und seine eRezepte einsehen. Anschließend übergibt er seine Karte an Apotheker Dietmar Sommer. Dieser liest die Karte ein und sieht das Rezept auf seinem Monitor. Im Hintergrund überprüft das System die Echtheit des elektronischen Rezepts. Apotheker Sommer übergibt seinem Kunden das verordnete Medikament und markiert die Verordnung als eingelöst. Gleichzeitig löscht das System das eRezept von der Karte und
vom eRezept-Server und fügt das Medikament zur Arzneimittel-Dokumentation in der persönlichen Gesundheitsakte des Patienten hinzu.

So oder so ähnlich können schon bald viele Walldorfer Bürger die neue elektronische Gesundheitskarte in Verbindung mit Ihrer persönlichen Gesundheitsakte für ihre Arzt- und Apothekenbesuche einsetzen. Bürgermeister Merklinger: „Die elektronische Gesundheitskarte wird deutliche Verbesserungen für die Patienten und das Gesundheitssystem bringen. Ich freue mich sehr, dass unsere Stadt eine wesentliche Rolle bei der Erprobung dieser zukunftsträchtigen Technologie spielen kann.“

Dr. Willinger sieht in der neuen Karte Chancen für eine weitere Verbesserung der Behandlungsqualität: „Die elektronische Gesundheitskarte in Kombination mit der Gesundheitsakte wird Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen enger miteinander vernetzen und uns so eine breitere Informationsbasis für die Behandlung unserer Patienten bereit stellen. Als Testpraxis wollen wir unsere Erfahrungen mit der neuen Technologie und die Anregungen unserer Patienten in den weiteren Entwicklungsprozess einbringen und so zu einem möglichst optimalen System für alle Ärzte und Patienten in Deutschland beitragen.“ Auch Apotheker Sommer erwartet Verbesserungen durch die neue Karte: „In Deutschland treten trotz aller Bemühungen der Apotheker und der Medikamentenhersteller immer noch zu viele potenziell gefährliche Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln auf. Mit der elektronischen Gesundheitskarte können wir zukünftig auf einen Blick sehen, welche Medikamente unsere Kunden einnehmen, und so unerwünschte Wechselwirkungen noch zuverlässiger vermeiden.“


Das Zusammenspiel der elektronischen Gesundheitskarte mit einer elektronischen Gesundheitsakte wird die Versorgung chronisch Kranker weiter verbessern. Außerdem werden gezielte Präventionsmaßnahmen möglich: Im Walldorfer Fitness-Studio Treiber’s Indoor können sich Kunden mit Hilfe der elektronischen Gesundheitsakte LifeSensor schon seit längerem speziell auf ihren Gesundheitszustand zugeschnittene Trainingspläne erstellen lassen.

ICW-Vorstand Peter Reuschel: „Nach umfangreichen Labortests unserer Gesundheitskarten-Lösung wollen wir das System nun in der täglichen Praxis testen. Die dabei gesammelten Erfahrungen nutzen wir für die gezielte Weiterentwicklung des Systems, um es dann in breiteren Regionaltests zu erproben, wie sie von der gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte gGmbH vorgesehen sind.“ Dazu wird die ICW in den kommenden Monaten sukzessive weitere Walldorfer Arztpraxen und Apotheken mit der Gesundheitskarten-Lösung ausstatten. Anschließend soll der Feldtest auf einen weiteren Standort in der Metropolregion Rhein-Neckar ausgedehnt werden: Erste Gespräche mit Mannheimer Ärzten haben bereits stattgefunden.