Bild: Schwarzwälder-Kirschtorte 
Bei adipösen Menschen löst dieser
Anblick bereits Reaktionen im Gehirn
aus; © Hemera

Forschungen im Bereich der funktionellen Magnetresonanz- tomographie (fMRI) an der Abteilung für Radiologie der Berliner Charité (Prof. Dr. Georg Bohner) haben jüngst ergeben, dass die Redensart „man isst mit den Augen“ zumindest für adipöse Menschen auf problematische Weise wahr ist: Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirnfunktionen von 13 schwer übergewichtigen und 13 normalgewichtigen Frauen, während sie ihnen Fotos von Speisen mit unterschiedlichem Kaloriengehalt zeigten.

Während die Normalgewichtigen und Übergewichtigen dabei keine Gehirnaktivitäten aufwiesen, stimulierte die optische Konfrontation mit kulinarischen Köstlichkeiten bei den Adipositas-Patientinnen etliche Gehirnregionen – und zwar umso mehr, je kalorienhaltiger die abgebildeten Speisen waren.

Zusätzlich aktiviert wurden sowohl das primäre Geschmackszentrum als auch die Regionen, die dem körpereigenen „Belohnungssystem“ zugeordnet sind. Bestimmte Schaltungen im Gehirn adipöser Patienten sorgen also dafür, dass der bloße Gedanke an Essen zur Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Serotonin führt – ein teuflischer Kreislauf, denn ohne Essen keine derartige Belohnung, und folglich keine Glücksgefühle.

„Ganz ähnliche Mechanismen wurden auch in der Gehirnfunktion Glücksspielsüchtiger gefunden“, bestätigt Prof. Dr. Stefan Sunaert von der Abteilung für Radiologie an der Katholischen Universität Leuven (Belgien). „Das bedeutet, dass wir fMRI jetzt als Diagnose- und auch Kontrollinstrument für Suchttherapien verwenden können. Ein Vorher/Nachher-Vergleich der Scans müsste uns zeigen, ob eine psychologische Behandlung, die auf die Entkoppelung emotionaler Befriedigung vom Essen abzielt, wirklich gegriffen hat.“

MEDICA.de; Quelle: European Congress of Radiology