Finanzielle Lage der deutschen Krankenhäuser

01/07/2014
Foto: Arzt mit Stethoskop horcht an Portemonnaie

Der zehnte Krankenhaus Rating Report untersucht die finanzielle Lage von fast 1 000 Kliniken in Deutschland; ©auremar/ panthermedia.net

Aufgrund geringer Ertragskraft war fast die Hälfte aller deutschen Kliniken 2012 nicht ausreichend investitionsfähig, um Substanzerhalt sicherzustellen. Den derzeitigen Investitionsstau schätzen die Autoren Krankenhaus Rating Report 2014 auf kumuliert rund 15 Milliarden Euro.

Jährlich sollten die Krankenhäuser laut Report 5,4 Milliarden Euro aufbringen, um den aktuellen Investitionsbedarf zu decken. Dabei hat sich die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser 2012 spürbar verschlechtert. 16 Prozent wiesen eine erhöhte Insolvenzgefahr auf, zwei Jahre zuvor waren es nur halb so viele. 35 Prozent der Krankenhäuser schrieben 2012 auf Konzernebene einen Jahresverlust, zwei Jahre zuvor waren es nur 16 Prozent.

Die vor der Bundestagswahl 2013 beschlossenen Finanzhilfen für Krankenhäuser tragen zur Entspannung der Lage 2013 und 2014 bei. 2015 droht ohne Gegenmaßnahmen aber wieder eine Verschlechterung, weil die Kosten- über den Erlöszuwächsen liegen. Bis 2020 könnten etwa 13 Prozent der Krankenhäuser aus dem Markt ausscheiden.

Das zeigt der zehnte Krankenhaus Rating Report 2014, den das RWI, die IT-Beratung Accenture und das Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2014 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin vorgestellt haben. Untersucht wurde die finanzielle Lage von fast 1 000 Kliniken in Deutschland. Die Stichprobe besteht aus 617 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2011 sowie 175 aus dem Jahr 2012.

Die finanzielle Lage der Krankenhäuser verschlechterte sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr zwar in ganz Deutschland. Die Situation der Kliniken in den ostdeutschen Bundesländern bewertete der Report jedoch weiterhin am besten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz/Saarland. Die Kliniken mit der schwierigsten finanziellen Lage liegen in Niedersachsen/Bremen, Hessen und Baden-Württemberg. In vielen Regionen sind die Krankenhausstrukturen ungünstig: zu viele kleine Einheiten, eine zu hohe Krankenhausdichte und eine zu geringe Spezialisierung.

Bei einer Betrachtung nach Trägern schneiden öffentlich-rechtliche Kliniken weiterhin durchschnittlich schlechter ab als freigemeinnützige oder private. So wiesen im Jahr 2012 28 Prozent der öffentlich-rechtlichen Häuser eine erhöhte Insolvenzgefahr auf, aber nur 16 Prozent der freigemeinnützigen und 3 Prozent der privaten. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz/Saarland und im Nordwesten war die Lage vieler öffentlich-rechtlicher Häuser kritisch. Der Report konnte erstmals nachweisen, dass öffentlich-rechtliche Kliniken mit kleinen Aufsichtsgremien am besten abschneiden.

Die Krankenhauskapazitäten haben sich 2012 gegenüber dem Vorjahr kaum verändert, während die Zahl der Krankenhäuser sich um 1,4 Prozent auf 2.017 verringerte. Die Bettenauslastung der Krankenhäuser verharrte laut Report bei 77 Prozent. Private Krankenhäuser konnten ihren Marktanteil – gemessen an der Bettenzahl – leicht von 16,3 Prozent auf 16,8 Prozent erhöhen. Der Marktanteil öffentlich-rechtlicher Krankenhäuser sank von 49,3 Prozent auf 48,8 Prozent, während der Anteil freigemeinnütziger Häuser konstant bei 34,4 Prozent blieb. Die Vorteile eines hohen Spezialisierungsgrads bestätigten sich, sowohl in wirtschaftlicher als auch in qualitativer Hinsicht. Wie in den Vorjahren gingen Qualität, Spezialisierung und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.