Finde den Erreger

Am Traumstrand können seltene
Erreger lauern; © PixelQuelle

Ein 68-jähriger afrikanischer Arzt hatte im Juli dieses Jahres mit rund 500 Menschen Kontakt, bevor bei ihm Lassa-Fieber diagnostiziert wurde. Er flog bereits mit hohem Fieber und neurologischen Symptomen von Sierra Leone über Brüssel nach Frankfurt. Erst zehn Tage nach seiner Einreise wurde eine Lassa-Virus-Infektion nachgewiesen. Er kam auf eine Sonderisolierstation. Dem Mann geht es wieder besser, andere Menschen haben sich nicht angesteckt.

Gerade bei hoch infektiösen Krankheiten ist die schnelle Diagnose wichtig, um den Erkrankten so schnell wie möglich isolieren und behandeln zu können. Denn aus den Tropen eingeschleppte Krankheiten sind keine Einzelfälle. In 2005 gab es in Deutschland 144 Fälle von Dengue-Fieber, 510 von Listoriose und 74 von Echinokokkose. Infektionen, die von den Medizinern erkannt wurden. Denn: „Bei Tropenkrankheiten ist sicherlich eine Dunkelziffer vorhanden. Es gibt Fälle, die nicht erkannt werden“, sagt Prof. Dr. Egbert Tannich, Leiter des parasitologischen Diagnostiklabors des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin.

Auch Tannich kam schon öfter mit Patienten in Kontakt, bei denen lange Zeit ein seltener Erreger nicht richtig erkannt wurde. Oft ist es die parasitäre Erkrankung Leishmaniose „Manche Patienten mit dieser Infektion hatten eine lange Leidensgeschichte, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird“, so Tannich.

Um Ärzte für seltene Infektionskrankheiten zu sensibilisieren, hat das Robert-Koch-Institut den „Steckbrief seltener und importierter Infektionserreger“ aktualisiert. Darin werden auf fast 200 Seiten seltene Erreger beschrieben. Es gibt Informationen zu Inkubationszeiten, Symptomatik und Diagnostik. „Mit den Steckbriefen können sich Ärzte kurz und knapp über seltene oder importierte Infektionskrankheiten informieren“, erklärt Prof. Dr. Georg Pauli, Leiter des Zentrums für biologische Sicherheit im Robert-Koch-Institut. „Die erste Ausgabe der Steckbriefe ist auf eine sehr positive Resonanz bei den Ärzten gestoßen und war schon nach kurzer Zeit vergriffen.“. Die aktualisierte Auflage ist auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts veröffentlicht.

Allerdings eignen sich diese Unterlagen nicht als Hilfe für den Arzt, um Tropenkrankheiten schneller zu identifizieren. „Die Neuauflage ist kein Leitfaden für den Arzt, der ihm helfen würde, eine schnellere Diagnose zu stellen“, so Tannich. Aber sie könne Ärzte mit der Vielzahl möglicher Erreger und den entsprechenden Krankheitserscheinungen bekanntmachen. So könnten Mediziner zumindest auf die Idee gebracht werden, dass ein Patient eventuell mit einem seltenen Erreger infiziert sein könnte.

Wichtiger sind für Tannich andere Lösungsansätze bei der Diagnostik tropischer Krankheiten: „Es sollte von Ärzten immer die Frage nach Auslandsaufenthalten gestellt werden. Leider versäumen dies aber viele.“ Für die Zukunft setzt der Diagnostiker daher auf den Nachwuchs: „Die Ausbildung ist ein Schlüsselfaktor. Wenn die Mediziner nicht schon in der Universität und in Fortbildungen über seltene Infektionserreger informiert werden, fehlt ihnen die Grundlage in diesem Bereich.“ Denn nicht immer wendet sich die Geschichte einer Infektion mit dem Lassa-Virus zum Guten – so wie in diesem Jahr.

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