"20 Jahre WHO-Stufenschema sind ein Grund zur Freude - aber auch ein Grund, dringend fehlende Konsequenzen anzumahnen", so Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS).

Das Konzept des WHO-Stufenschemas kann auf fünf Kernsätze zusammengefasst werden: Schmerzmittel sind oral oder nicht-invasiv einzunehmen, nach einem festen Zeitschema, nach einer festen Stufenleiter, in individueller Dosierung, Besonderheiten sind zu beachten. Das Stufenschema umfasst auf drei Stufen drei verschiedene Medikamentengruppen: Nicht-Opioid- Analgetika vom Typ des Aspirin oder Paracetamol auf der ersten Stufe, auf der zweiten Stufe schwache Opioidanangetika vom Typ des Codein und auf der dritten Stufe stark wirksame Opioidanalgetika vom Typ des Morphin.

"Lange Zeit wurde und wird darüber diskutiert, ob die Stufe 2 tatsächlich erforderlich ist", erklärt Prof. Zenz rückblickend. "Allein aus Gründen der Didaktik und wegen der enormen Vorurteile Morphin gegenüber ist eine solche Stufe als Eingang zu stark wirksamen Opioiden aber eine sinnvolle Stufe", ist der Schmerzspezialist überzeugt.

Verschiedene Studien weltweit haben gezeigt, dass zwischen 75 und 100 Prozent der Tumorpatienten mit einem solchen Stufenschema ausreichend behandelt werden können. Doch trotz der Effizienz des Stufenschemas und der weltweiten Verfügbarkeit der entsprechenden Medikamente ist selbst in industrialisierten Ländern immer noch ein zu hoher Prozentsatz an schlecht behandelten Tumorpatienten zu beklagen. In Deutschland werden nur ein Drittel der Tumorschmerzpatienten ausreichend gegen Schmerzen behandelt - zwei Drittel leiden unnötig.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)