"Wenn ein Säugling unter gravierender Schwerhörigkeit leidet, die nicht rechtzeitig behandelt wird, führt das zu schweren Störungen in der Sprachentwicklung. Leider werden solch gefährliche Hörschäden auch heute noch viel zu häufig erst nach dem dritten Lebensjahr erkannt", sagt Dr. Ruth Lang- Roth, ärztliche Leitung der Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Uniklinik Köln

"Das ist viel zu spät, da die Hörbahnreifung vor allem in den ersten beiden Lebensjahren stattfindet", sagt Professor Dr. Götz Schade, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am Bonner Universitätsklinikum. Das Gehör von Säuglingen kann ganz einfach und schmerzlos schon in den ersten Tagen nach der Geburt getestet werden. "Es ist wünschenswert, alle Neugeborenen bereits in ihrer Geburtsklinik für nur circa 13 Euro pro Hörtest zu erfassen. Wir wollen jetzt in unserer Region von Null auf Hundert gehen", sagt Professor Schade.

Dieses Früherkennungsprogramm ist nur dann erfolgreich, wenn möglichst alle auffälligen Kinder innerhalb der ersten Lebenswochen in einer pädaudiologischen Einrichtung nachuntersucht werden. Denn nur so wird sichergestellt, ob tatsächlich eine Hörstörung vorliegt und dass diese auch zeitnah behandelt wird. Eine hohe Quote kann durch datenbankgestützte Nachfassaktionen unterstützt werden. Bereits im Alter von 3 bis 6 Monaten sollen bei den betroffenen Kindern dann erste Hörgeräte angepasst sein.

Im Nachbarland Hessen gibt es schon seit mehr als zwei Jahren ein erfolgreiches Hörscreening-Programm. 2005 wurden dort 18.000 Neugeborene untersucht; 49 litten unter einer Hörstörung. Das durchschnittliche Alter, zu dem ein Hörfehler erkannt wird, konnte in Hessen so von bundesweit 39 Monaten auf etwa drei Monate gesenkt werden.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Universität zu Köln