Nahrungsergänzungsmittel, die Folsäure enthalten, können bei Neugeborenen die Rate einer Spina bifida oder anderer Neuralrohrdefekte um etwa 80 Prozent senken. Weltweit sind jährlich etwa 300.000 Neugeborene von solchen Neuralrohrdefekten betroffen. Weil Folsäure billig, sicher und leicht einzunehmen ist, empfehlen viele Ärzte- und Gesundheitsorganisationen nachdrücklich den Einsatz von Folsäure bei Schwangeren, möglichst schon vor dem Zeitpunkt der Zeugung. In einigen Staaten wie etwa den USA, Kanada, Chile und Südafrika werden kleinste Mengen an Folsäure dem Mehl zugesetzt, so dass die Gesamtbevölkerung damit versorgt ist.

Wie effektiv sind die Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Einnahme von Folsäure in jenen Ländern, die ihrem Mehl keine Folsäure zusetzen? Dies wurde nun in einer retrospektiven Studie untersucht, in die Daten aus den Geburtsdefekt-Registern von 13 Staaten einflossen. Die Daten umfassten den Zeitraum zwischen 1988 und 1998. Unersucht wurde insbesondere die Inzidenz von Neuralrohrdefekten vor und nach 1992. In jenem Jahr wurden die ersten Empfehlungen zur Folsäureeinnahme veröffentlicht.

Die Studie umfasste 8.636 Fälle von Anencephalie oder Spina bifida unter rund 13 Millionen Geburten. Die Umsetzung der Empfehlungen in den einzelnen untersuchten Ländern reichten von keinen nationalen Empfehlungen über reine Ernährungsempfehlungen bis hin zu Ernährungsempfehlungen plus Nahrungsergänzungsmitteln bei Risikopatientinnen.

Als man die Zahl der Neuralrohrdefekte vor und nach 1992 verglich, war das Ergebnis mehr als betrüblich: Die Rate dieser Geburtsdefekte ging praktisch nicht zurück. Mit anderen Worten: Die Empfehlungen waren völlig wirkungslos geblieben.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 330, S. 571