Mit dem Alter schwinden häufig auch die geistigen Kräfte. Vor allem Gedächtnis und Informationsverarbeitung lassen nach. Verschiedentlich hat man Folsäure eingesetzt, um diesem Abbauprozess entgegen zu wirken. Studien dazu haben aber unterschiedliche Ergebnisse gebracht, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Untersuchungszeitraum oft nur kurz war.

Eine neue doppel blinde und randomisierte Studie liefert nun verlässlichere Daten. 818 Personen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren nahmen an dieser "Folic Acid and Carotid Intima-media Thickness (FACIT)"-Studie teil. Randomisiert erhielten die Probanden drei Jahre lang entweder 800 Milligramm Folsäure pro Tag oder Placebo.

Die Laborergebnisse waren beeindruckend: Bei den Probanden aus der Folsäuregruppe stieg die Folsäure-Plasmakonzentration um durchschnittlich 576 Prozent gegenüber den Probanden aus der Placebogruppe, während die Homozystein-Spiegel um durchschnittlich 26 Prozent sanken.

Ebenfalls beeindruckend die Ergebnisse in den verschiedenen kognitiven Tests: Sowohl in Bezug auf Gedächtnisleistung als auch bei der Informationsverarbeitung waren die Probanden aus der Verumgruppe den Kontrollpersonen signifikant überlegen. Bei der Wortfindung und der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit dagegen konnte Folsäure nicht helfen, sie verschlechterte sich in beiden Gruppen gleichermaßen.

Die Studienautoren vermuten daher, dass Folsäure möglicherweise die kognitiven Basisleistungen wie etwa die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung positiv beeinflusst. Wortfindung und komplexe sprachliche Ausdrucksformen sind jedoch Teil einer „enzyklopädischen“ Speicherfunktion im Gehirn, die ein Leben lang aufgebaut wird und daher durch Gabe von Folsäure kaum zu beeinflussen ist.

Insgesamt aber raten die Studienautoren dazu, mehr Folsäure einzunehmen, auch schon in jüngeren Jahren.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007, Vol. 369, S. 208-216