Die Hypothese klang tatsächlich verlockend: Hohe Homozysteinwerte können das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse erhöhen. Folsäure und Vitamin B wiederum senken den Homozysteinspiegel. Demnach müssten diese beiden Substanzen logischerweise das kardiovaskuläre Risiko senken. Schon länger allerdings sagen Studien etwas anderes.

Nun scheint diese Hypothese offenbar ganz am Ende, wie gestern auf dem Jahreskongress der „American Heart Association“ bekannt wurde. Dort stellten Wissenschaftler die Ergebnisse der „Women's Antioxidant and Folic Acid Cardiovascular Study (WAFACS)“-Studie vor. An dieser Studie nahmen 5.442 Frauen teil. Alle waren über 40 Jahre alt, zwei Drittel von ihnen litten an einer kardiovaskulären Erkrankung, die anderen hatten mindestens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren. Randomisiert erhielten die Probandinnen täglich eine Kombination aus 2.5 Milligramm Folsäure, 50 Milligramm Vitamin B6 und 1 Milligramm B12 oder Placebo.

Während des Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 7.29 Jahren traten in beiden Gruppen etwa vergleichbar viele Fälle von Myokardinfarkten, Schlaganfällen oder kardiovaskulären Todesfällen auf (p gleich 0.65).

Ein Teil der Hypothese konnte jedoch bestätigt werden: Die Probandinnen der Verumgruppe hatten tatsächlich durchschnittlich geringere Homozysteinspiegel als die Frauen der Vergleichsgruppe. Nur: Dies scheint dem Herzen nichts zu nützen. Die Wissenschaftler vermuten jetzt, dass hohe Homozysteinspiegel eher Marker einer vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankung sind als ein eigenständiger Risikofaktor. Außerdem geht man davon aus, dass die American Heart Association ihre Leitlinien hinsichtlich der Folsäure- und Vitamin-B-Supplemente nun ändern wird.

MEDICA.de; Quelle: American Heart Association (AHA): Scientific Sessions 2006 Late-Breaking Clinical Trials I