Folsäurezusatz erhöht die Überlebenschance

Schon von Natur aus ist Folsäure
in Getreide enthalten;
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In den USA wird Mehl und Getreide seit 1996 beziehungsweise 1998 mit Folsäure versetzt, um die Inzidenz von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen zu senken. Diese Strategie hat auch tatsächlich Früchte getragen. Eine interessante Frage wurde aber bislang noch kaum untersucht: Ob jene Neuralrohrdefekte, die trotzdem noch immer auftreten, weniger schwer verlaufen als zuvor.

Dieser Frage sind jetzt Wissenschaftler des „Colorado Department of public Health and Environment“ in Denver, USA, nachgegangen. Sie analysierten die Daten aus 16 Datenbanken zu Geburtsschäden. In diesen Datenbanken fanden sie 2.841 Fälle einer Spina bifida aus den Jahren 1995 bis 2001 sowie 683 Kinder mit einer Enzephalozele, die im gleichen Zeitraum zur Welt gekommen waren.

Bevor dem Mehl und Getreide Folsäure zugesetzt wurde, überlebten 90,3 Prozent der Spina-bifida-Kinder das erste Lebensjahr, danach 92,1 Prozent. Für Kinder mit einer Enzephalozele liegen die Ein-Jahres-Überlebensraten bei 75,7 Prozent beziehungsweise 79,1 Prozent.

Nachdem man alle störenden Einflussfaktoren wie Geburtsgewicht, Geburtsmethode und anderes herausgerechnet hatte, stand fest: Der flächendeckende Zusatz von Folsäure zu Mehl und Getreide hat das Mortalitätsrisikio für Kinder mit einer Spina bifida um 32 Prozent gesenkt. Weitere Erkenntnis: Wird die Geburt künstlich eingeleitet, steigt das Risiko um 96 Prozent. Bei einem Kaiserschnitt dagegen sinkt das Risiko um 47 Prozent.

Ein ähnliche Berechnung für die Enzephalozele dagegen kommt zu ernüchternden Erkenntnissen: Das Mortalitätsrisiko konnte durch den Folsäurezusatz nicht signifikant gesenkt werden.

Möglicherweise ist das Ergebnis dieser Studie aber auch nur besseren vorgeburtlichen Diagnosemethoden zu verdanken. Es könnte sein, dass in den letzten Jahren verstärkt Ungeborene mit Spina bifida abgetrieben wurden und dadurch nur die „stärkeren“ Spina-bifida-Kinder auf die Welt kamen.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2006, Vol. 117, S. 803-813,930-932