Forscher starten Pilotstudie zur Demenz

Foto: Alte Frau hält sich die Hand vors Gesicht

Die Studie soll die Bedürfnisse der
Angehörigen genauer beleuchten;
© panthermedia.net/Sibylle Leu

In der Studie wird untersucht, inwieweit gezielte Aufklärung und Schulung von Angehörigen die Versorgung der Betroffenen in ihrer heimischen Umgebung fördert und eine vorzeitige Einweisung in Pflegeeinrichtungen verhindern kann.

„Es geht darum, Menschen, die an Demenz erkrankt sind, so lange wie möglich in ihrer heimischen und vertrauten Umgebung zu belassen“, sagt Sabine Schwarz, Sozialmediatorin am DZNE. Das entspreche dem Wunsch der Betroffenen und auch dem der meisten pflegenden Angehörigen. Allerdings mangele es an Aufklärung, konstatiert Schwarz. Viele wissen zu wenig über Demenz, ihre Symptome und den richtigen Umgang mit dem Erkrankten. So werden Verhaltensweisen des demenziell Erkrankten nicht als Erscheinung der Krankheit erkannt, sondern als böser Wille interpretiert. Häufig komme es frühzeitig zur Einweisung in Pflegeeinrichtungen, weil Angehörige diesem Druck nicht standhalten. Hinzu komme, dass es auch in Mecklenburg-Vorpommern an Beratungsangeboten mangele. „Unsere Sprechstunden der Alzheimergesellschaft sind immer sehr überlaufen“, so Schwarz, „es besteht ein sehr hoher Beratungsbedarf“.

Die Pilotstudie des DZNE und des Uniklinikums sieht vor, dass Angehörigen konkrete und regelmäßige Angebote gemacht werden: Veranstaltungen, die informativ sind, in denen die Teilnehmer gleichzeitig aber auch ihre Erfahrungen austauschen und sich beraten lassen können. Per Fragebogen wird jeweils vor und nach der Veranstaltung ermittelt, ob durch die Vermittlung von Hintergrundwissen und Umgangskompetenz positive Effekte in der Betreuung erzielt werden können. Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des Schulungskonzeptes ein. „Langfristig arbeiten wir gemeinsam mit der Alzheimergesellschaft an der Verbesserung der Versorgungssituation der Menschen mit Demenz in Mecklenburg-Vorpommern“, so Studienleiter Professor Stefan Teipel. Über den Nachweis der Effektivität der geplanten Schulungen sollen entsprechende Aufklärungs- und Informationsangebote im Land etabliert werden. Der Bedarf dafür ist groß: Nach Schätzungen leben in Mecklenburg-Vorpommern rund 25.000 Menschen mit Demenz. Zwei Drittel werden zu Hause von Angehörigen gepflegt.


MEDICA.de; Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)