Forscher stellen insulinproduzierende Zellen her

Foto: Maus

Mäuse besitzen in der Bauch-
speicheldrüse adulte Stammzellen,
aus denen sich Betazellen
herstellen lassen; © SXC

Blutzucker messen, Insulin spritzen, Blutzucker messen, Insulin spritzen. Das ist der monotone Rhythmus, den die rund 200.000 Diabetiker vom Typ 1 in Deutschland zur Genüge kennen. Eine nervige, aber gleichzeitig lebensnotwendige Prozedur: Wenn der Blutzucker außer Kontrolle gerät, drohen schwerwiegende Erkrankungen.

Neue Forschungsergebnisse geben nun Hoffnung, dass mit diesem umständlichen Verfahren in Zukunft Schluss sein könnte. Ein Forscherteam aus Belgien hat nämlich adulte Stammzellen in der Bauchspeicheldrüse von Mäusen gefunden und aus diesen insulinproduzierende Beta-Zellen hergestellt, die bei einem Typ 1 Diabetes mellitus zerstört sind. Die Ergebnisse ihrer Versuche veröffentlichten die Forscher im Januar dieses Jahres im Fachblatt „Cell“. „Wenn die Aktivierung der adulten Stammzellen zu insulinproduzierenden Beta-Zellen auch beim Menschen gelingen sollte, wäre das ein großer Schritt in der Behandlung von Typ1-Diabetes“, sagt Harry Heimberg, Diabetesforscher an der Vrije Universität Brüssel und Koautor der Studie.

Um die Funktion der Stammzellen zu untersuchen, wurde ausgewachsenen Labormäusen ein Teil der Bauchspeicheldrüse abgeklemmt. Teile des Gewebes starben daraufhin ab. Die Wissenschaftler beobachteten, wie sich innerhalb von zwei Wochen die Anzahl der verbliebenen Beta-Zellen in diesem Bereich verdoppelte. Die neuen Zellen waren funktionstüchtig und produzierten Insulin. Die Forscher führen die Neuentstehung der Zellen darauf zurück, dass es zu einer Entzündungsreaktion kommt, wenn man den Gang der Bauchspeicheldrüse abbindet. Die adulten Stammzellen in dem verletzten Gewebe bekommen daraufhin vermutlich den Befehl, sich zu Beta-Zellen zu entwickeln.

Nun ist die Hoffnung der Forscher, dass sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen, so dass die neuen Zellen eines Tages als Implantat in die Bauchspeicheldrüse des Menschen eingesetzt werden und die Insulinproduktion des Körpers übernehmen könnten. Die Notwendigkeit der Blutzuckermessungen und des Insulin Spritzens würden damit entfallen.

Es gibt allerdings noch etwas zu bedenken: „Das Risiko der Entwicklung von Tumoren aus nicht voll ausgereiften Beta-Zellen kann aufgrund der Kürze der Untersuchungen noch nicht ausgeschlossen werden. Hier muss noch nach Lösungen gesucht werden, um einen sicheren Einsatz zu gewährleisten“, erklärt Dr. Jochen Seißler vom Deutschen Diabetes Forschungsinstitut in Düsseldorf. Aber auch er ist sich sicher: „Wenn es gelingt, die vorhandenen Probleme zu lösen, könnte die Stammzelltherapie in Zukunft eine völlig neue Therapieoption für die Behandlung von Typ 1 Diabetikern darstellen.“

Der nächste Schritt ist es nun, die adulten Stammzellen auch beim Menschen zu finden und sie zu aktivieren. Aber die Experten sind sich einig: „Bis dahin ist es noch ein langer Weg.“

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