Forscher untersuchen Fatiguesyndrom

Leider bleibe Fatigue häufig unbemerkt. Dabei könnten unterstützende Angebote den Betroffenen helfen und sie für die Therapie motivieren. „Fatigue ist eines der Hauptprobleme von Krebspatienten“, sagt Doktor Susanne Singer vom Universitätsklinikum Leipzig. Um die Verbreitung von Fatigue bei Krebspatienten besser zu verstehen, hatte die Psychologin in Zusammenarbeit mit Ärzten aus verschiedenen Kliniken des Universitätsklinikums insgesamt fast 1500 Patienten mit 27 unterschiedlichen Krebserkrankungen befragt. Die Wissenschaftler baten die Patienten bei Aufnahme auf die Station, am Entlassungstag und ein halbes Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt mittels eines Selbsteinschätzungs-Fragebogens Angaben über psychische, körperliche, geistige und emotionale Anzeichen von Fatigue zu machen.

Wie sich zeigte, hinterließ der – durchschnittlich zwei Wochen dauernde – Krankenhausaufenthalt und die dabei stattgefundene Behandlung bei den Patienten Spuren: Während bei der Aufnahme zur stationären Behandlung insgesamt 32 Prozent die typischen Anzeichen der Fatigue-Symptomatik zeigten, waren es am Tag der Entlassung 40 Prozent. Ein halbes Jahr später war die Quote der Betroffenen wieder auf 34 Prozent zurückgegangen.

„In den meisten Therapieplänen findet die Thematik leider zu wenig Beachtung“, bedauert Singer. Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass besonders junge Patienten durch Fatigue beeinträchtigt waren: in der Patientengruppe der unter 40–Jährigen zeigten am Tag der Klinikaufnahme über die Hälfte die typischen Anzeichen von chronischer Müdigkeit und Erschöpfung. Von den über 60-Jährigen war nur jeder fünfte Patient betroffen.

„Dieses Ergebnis ist beachtenswert“, kommentiert Professor Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig. „In der Normalbevölkerung nimmt die Fatigue-Rate mit dem Alter zu.“ Das Ergebnis könne damit zusammenhängen, dass jüngere Patienten häufig aggressivere Chemo- oder Strahlentherapien bekommen als ältere, vermutet Singer. Möglich sei auch, dass die Jüngeren die Diskrepanz zwischen ihren bisherigen Energiereserven und der durch die Krankheit verminderten Kraft stärker wahrnehmen.

Der Begriff „Fatigue“ kommt aus dem Französischen und bedeutet "Ermüdung, Mattigkeit". Er beschreibt einen – häufig mit einer chronischen Erkrankung einhergehenden – körperlichen und seelischen Erschöpfungszustand, der über Wochen und Monate anhält und die Lebensqualität stark einschränkt.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Leipzig