Forschungsverbund entschlüsselt Genom

Foto: Genom

Ein mutiertes Gen im Burkitt-Lymphon kann
neue Angriffspunkte für Therapien liefern;
© panthermedia.net/renjith krishnan

In ihrer ersten Datenauswertung konnten sie zeigen, dass das Erbgut der Tumorzellen des Burkitt-Lymphoms an über 2.000 Stellen im Vergleich zu normalen Zellen verändert ist. Dabei entdeckten die Forscher ein Gen, das in über Zweidrittel aller Burkitt-Lymphome mutiert ist, was neue Angriffspunkte für die Diagnostik und Behandlungsstrategien dieser aggressiven Lymphome liefert.

Das Burkitt-Lymphom war das erste Lymphom, bei dem bereits in den 1970er Jahren eine wiederkehrende Genveränderung, die sogenannte Burkitt-Translokation, identifiziert wurde. Es handelt sich um den Austausch von Material zwischen zwei Chromosomen, den Trägern der Erbsubstanz, die zur Aktivierung des Krebsgens MYC führt. Heute ist aber erwiesen, dass eine solche Burkitt-Translokation in quasi allen Burkitt-Lymphomen auftritt, aber auch in anderen aggressiven Lymphomen. Außerdem reicht die Aktivierung des MYC-Gens nicht für eine Entartung von Zellen aus. „Wir haben schon lange vermutet, dass weitere Genveränderungen spezifisch mit MYC in der Krebsentstehung von Burkitt-Lymphomen kooperieren“, sagt Professor Reiner Siebert, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, „die neuen Forschungsergebnisse zeigen jetzt, dass offensichtlich ganz bestimmte Funktionen der Zelle gestört sein müssen, damit die Aktivierung des Krebsgens MYC zur malignen Entartung führt“.

In der jetzt publizierten Arbeit haben die Wissenschaftler und Ärzte des ICGC MMML-Seq Verbundprojektes in einem sehr umfassenden Ansatz nicht nur die Sequenz des Erbguts von vier Burkitt-Lymphomen vollständig entschlüsselt und auf krankheitsrelevante Mutationen untersucht, sondern auch Daten über die veränderte Aktivität der Gene und ihrer Regulation erhoben. „Durch die systematischen Analysen konnten wir zwischen 1.957 und 5.707 Veränderungen im Erbgut der Burkitt-Lymphome im Vergleich zu normalen Zellen identifizieren“, sagt Doktor Matthias Schlesner, Bioinformatiker am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. „Insgesamt 119 Gene wiesen proteinverändernde Mutationen auf.“ Solche Gene, die in mehreren Fällen verändert waren, wurden von den Forschern in insgesamt 100 Lymphomen mit einer MYC-Translokation weiter analysiert. „Unsere Untersuchungen zeigten, dass ein Gen mit dem Namen ID3 (inhibitor of DNA binding 3) in 68% der Burkitt-Lymphome verändert war, aber quasi nie in anderen Lymphomen", sagt Doktor Julia Richter aus dem Institut für Humangenetik in Kiel. Siebert fügt hinzu: „Damit haben unsere Untersuchungen einen neuen molekularen Marker für die Diagnostik zur Unterscheidung von Burkitt-Lymphomen und anderen Lymphomen identifiziert.“

Der ICGC MMML-Seq-Forschungsverbund (Analyse Molekularer Mechanismen in Malignen Lymphomen durch Sequenzierung) ist Teil des weltweiten Internationalen Krebs-Genomprojektes (International Cancer Genome Consortium, ICGC). Ziel dieses ehrgeizigen weltweiten Krebsprojektes ist die umfassende Beschreibung von genetischen und epigenetischen Veränderungen in den 50 bedeutendsten Krebsarten. Dies soll die Grundlage schaffen zur Entwicklung neuer diagnostischer Ansätze und Therapiestrategien.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein