Fortbildungen: Ohne übergreifende Zusammenarbeit geht es nicht

Medizin und Medizintechnik wachsen. Das betrifft nicht nur die Nachfrage nach medizinischen Leistungen, die eine immer ältere und immer wohlhabendere Bevölkerung an das Gesundheitssystem stellt. Auch die wissenschaftlichen und praktischen Kenntnisse nehmen zu. Ärztliches und nicht-ärztliches Personal muss deshalb ständig über den Einsatz neuer Geräte und Therapien auf dem Laufenden bleiben.

04.03.2014

 
Foto: Hörsaal mit Mikroskopen; Copyright: Messe Düsseldorf/ctillmann

Die MEDICA Education Conference bietet neben Seminaren und Diskussionsforen auch praktische Kurse, in denen beispielsweise über neue Mikroskopiermethoden informiert wird; ©Messe Düsseldorf/ ctillmann

Die Qualität der Fortbildung ist immer von höchster Bedeutung – unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Fachkongress handelt oder um interne Kurse an Kliniken. Schlecht vermitteltes Wissen oder eine unzureichende Praxisanleitung schaden schlimmstenfalls den Patienten. Das trifft beispielsweise für die Ultraschalldiagnostik zu, wie Prof. Christian Arning, Chefarzt der Neurologie in der Asklepios-Klinik Wandsbek und Beauftragter für Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), erläutert: "Ärzte brauchen für die Ultraschalluntersuchung Erfahrung und eine gute Ausbildung. Ohne diese können leicht unsichere oder falsche Befunde erhoben werden. Wird ein Fehlbefund erhoben, kann eine falsche Operationsindikation entstehen. Der Patient könnte dann etwa völlig unnötig operiert werden."

Um die Qualität der Ultraschalldiagnostik und damit auch die Patientensicherheit zu erhalten und zu erhöhen, vertritt die DEGUM ein mehrstufiges Zertifizierungssystem für ausbildende Ultraschallnutzer und Klinikabteilungen. Dabei werden auch Mitarbeiter von Geräteherstellern aus dem Zentralverband Elektrotechnik und Elektroniktechnik e.V. (ZVEI) einbezogen. Sie beteiligen sich an den DEGUM-Kursen, um mehr über die Nutzeranforderungen im Bereich Ultraschall zu lernen.

Durch diese Zusammenarbeit von Industrie und Ärzten wird einmal mehr deutlich: Schon die Entwicklung eines Gerätes legt den Grundstein für seinen Nutzen im Einsatz. "Die Industrie hat von sich aus vorgeschlagen, dass ihre Anwendungsspezialisten eine gute Ausbildung haben sollen", erklärt Arning. Die Kooperation von DEGUM und Industrie ist ein Kreislauf, in dem die Entwickler von Anwendern lernen, die wiederum in der Ausbildung und im Einsatz von der Arbeit des Herstellers profitieren.
Foto: Ärzte im OP, Buch im Vordergrund; Copyright: panthermedia.net/Tyler Olson

Fortbildungen sind für Ärzte auch im späteren Berufsleben unerlässlich - nicht alles lässt sich aus Büchern lernen; © panthermedia.net/ Tyler Olson

Die MEDICA Education Conference als gemeinsame Plattform

Der Zusammenarbeit von Anwendern und Herstellern trägt auch die MEDICA Education Conference (MEC) Rechnung, die 2013 das erste Mal parallel zur MEDICA stattfand. In Kursen, Seminaren und Diskussionsforen stellen hier nicht nur forschende Ärzte aktuelle Ergebnisse vor, auch Unternehmensvertreter geben Einblick in die Gerätenutzung und neue Verfahren. Als weltweit führender Branchentreffpunkt für Medizin und Medizintechnik bietet die MEDICA die ideale Plattform für eine Fortbildungsveranstaltung, die übergreifend Mediziner, Wissenschaftler und Hersteller anspricht.

2014 findet die Konferenz unter dem Motto "Medizin trifft Technik - Technik trifft Medizin" statt. Jeder der vier Konferenztage widmet sich dabei einem anderen Schwerpunkt: Auf dem Programm stehen die Themen Infektion und Entzündung, Telemedizin und Robotik, gastrointestinale Onkologie und Interventionelle Medizin. "Das Programm der MEDICA Education Conference wird so angelegt sein, dass wir sämtliche großen medizinischen Fächer zusammenbringen, damit sie bei der Anwendung moderner Techniken voneinander profitieren", erläutert Prof. Hendrik Lehnert, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (Lübeck). Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die zusammen mit der Messe Düsseldorf GmbH die MEC konzipiert hat, hat ihn zum Kongresspräsidenten der Veranstaltung ernannt.

"Mediziner müssen wissen, welche technischen Neuerungen für welche medizinische Anwendung verfügbar sind, um diese einsetzen zu können. Die Industrie ihrerseits braucht Impulse aus Wissenschaft, Klinik und Praxis, um künftige Innovationen entwickeln zu können", fährt Lehnert fort. Die Teilnahme an der MEC wird durch die Ärztekammer Nordrhein als Fortbildungsveranstaltung anerkannt.
Foto: Gefüllter Hörsaal; Copyright: panthermedia.net/Maximilian Pogonii

Vorträge nationaler und internationaler Experten tragen zur Qualität der Veran-
staltung bei. Außerdem sollte sie unabhängig und frei von industriellen Interessen bleiben. Trotzdem ist es durchaus üblich, dass Gerätehersteller als Sponsoren fungieren; © panthermedia.net/ Maximilian Pogonii

Gewerbliche Kongressveranstalter – Kompetenz und Profilierung

Hinter einem erfolgreichen und beliebten Seminarangebot steht aber nicht unbedingt eine große Messe wie die MEDICA. Auch kleine und mittelständische Unternehmen wie die beta seminare bonn berlin GmbH (bsbb) bieten ein interessantes Programm. bsbb richtet sich bei der Planung des Programms unter anderem nach den Wünschen des Zielpublikums, wie Geschäftsführerin Eva Ningel erläutert: "Es gibt wertvolle Anregungen zu spannenden medizinischen Themen von Ärzten beziehungsweise Anfragen, ob ein spezielles Thema interessant wäre oder vielleicht schon eine Fortbildung dazu geplant ist."

Auch für bsbb stehen Qualität und Unabhängigkeit des Programms an erster Stelle: Dies zeigt sich in der engen Zusammenarbeit mit Experten des jeweiligen Fachgebiets und in den Richtlinien für Vorträge durch Industrievertreter, die werbliche Inhalte verhindern. Außerdem konnte bsbb sich mit spezialisierten Angeboten erfolgreich positionieren: "Schon seit vielen Jahren betreuen wir Veranstaltungen im Bereich der Hernienchirurgie. Hier stehen nicht nur Live-OPs und Vorträge internationaler Hernien-Spezialisten auf dem Programm, sondern auch praktische Übungen und Hospitationen in anatomischen Instituten und Kliniken."

Unabhängig davon, ob eine ärztliche Fachgesellschaft wie die DEGUM, ein weltweit agierendes Unternehmen wie die Messe Düsseldorf oder eine kleinere Firma wie bsbb Fortbildungen organisieren – im Mittelpunkt stehen der Austausch über und die Vermittlung von Forschungsergebnissen. Gegen Unterstützung durch Unternehmen aus der Medizintechnik spricht dabei nichts, solange die Unabhängigkeit und Interessenfreiheit der Veranstalter gewahrt bleibt. Es spricht sogar Vieles dafür, denn Unternehmen stellen Übungsgeräte zu Verfügung und können Erkenntnisse aus ihren eigenen Forschungsabteilungen vermitteln. Eine Fortbildung muss sich aber trotzdem immer zuerst an den Ansprüchen und Richtlinien der Ärztekammern und Fachgesellschaften messen lassen, nicht am Umsatz. Ihr Hauptzweck bleibt es, Qualität und Fortschritt in der Behandlung zu den Patienten zu bringen.
Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Der Artikel wurde geschrieben von Timo Roth.
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