Fortschritte bei der spezifischen Immuntherapie

Foto: Mehrere Pfirsische

Die im Projekt entwickelte hypo-
allergene Pru p 3-Variante könnte
ein Kandidat für die Entwicklung
einer spezifischen Immuntherapie
gegen Pfirsichallergie sein;© panther-
media.net / Gernot Krautberger

Eine Strategie, das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen bei der Therapie zu minimieren und gleichzeitig möglichst hohe Allergendosen zu verabreichen, ist die Entwicklung hypoallergener Varianten. Ein entsprechender Ansatz zur Optimierung der spezifischen Immuntherapie (SIT) bei Birkenpollenallergien befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung. Ziel der SIT ist die Induktion einer peripheren Toleranz, die durch T-Lymphozyten und wahrscheinlich auch durch „blockierende“ IgG-Antikörper vermittelt wird. Entscheidend bei der Entwicklung hypoallergener Therapeutika ist es, die T-Zell-Reaktivität und damit die zelluläre Immunogenität zu erhalten, um eine Therapie überhaupt möglich zu machen.

An diesem Punkt hat die internationale Arbeitsgruppe angesetzt, mit Pru p 3, das zur Familie der nichtspezifischen Lipidtransfer-Proteine (nsLTPs) gehört und Hauptallergen bei Pfirsichallergikern ist. Bei nsLTPs handelt es sich um ubiquitär vorkommende und kreuzreaktive Allergene in verschiedenen Früchten, insbesondere von Rosaceae-Gewächsen wie Pfirsich, Kirsche und Apfel, Baumnüssen, Salat, Weintraube und anderen Lebensmitteln.

„Wir haben eine Faltungsvariante von Pru p 3 entwickelt, deren biochemische und immunogene Eigenschaften untersucht wurden“, erklärt Professor Stefan Vieths, der auch Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts ist. „Im Ergebnis gelang es uns, durch eine chemische Modifikation die Proteinstruktur von Pru p 3 aufzufalten und somit die IgE-Reaktivität und Allergenität sehr stark zu verringern, während die T-Zell-Immunogenität erhalten bleibt“, so Vieths. Die Untersuchungen zur IgE-Reaktivität, Allergenität und T-Zell-Immunogenität wurden mit Pfirsichallergikern durchgeführt, die Pru p 3-spezifische IgE-Antikörper aufwiesen.

In einem Mausmodell konnte die T-Zell-Immunogenität der Faltungsvariante bestätigt werden. Zudem konnten die Autoren zeigen, dass die Auffaltung des nsLTP einen starken Einfluss auf die Stabilität und antigenen Eigenschaften des potenziellen Allergen-Vakzins hatte. Die Proteinstruktur bestimmt somit maßgeblich die Eigenschaften eines potenziellen Therapeutikums. Diese Ergebnisse sind für die Bewertung der Sicherheit und die Aufklärung des Wirkungsmechanismus neuer Allergie-Therapeutika sehr relevant.

Die im Projekt entwickelte hypoallergene Pru p 3-Variante könnte ein Kandidat für die Entwicklung einer spezifischen Immuntherapie gegen Pfirsichallergie sein, mit überzeugender T-Zell-Immunogenität und deutlich minimierter Gefahr schwerer Nebenwirkungen.

MEDICA.de; Quelle: Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel