Die Skoliose ist eine der häufigsten Fehlbildungen der Wirbelsäule bei jungen Menschen. Nicht selten führt diese „Rückgratverkrümmung“ zu Problemen im Erwachsenenalter, die dann chirurgisch behandelt werden müssen. Man hat daher die Frage gestellt, ob es sinnvoll wäre, alle Kinder oder Jugendlichen auf Vorliegen eines Skoliose zu screenen und dann gegebenenfalls in ein Korsett zu stecken, damit eine Skoliose sich auswachsen könnte. Dies müsste langfristig die Zahl der notwendigen Skoliose-Operationen senken.

Genau diese Hypothese haben jetzt Wissenschaftler aus den Niederlanden getestet. An ihrer Fall-Kontroll-Studie nahmen 108 Patienten teil, die nach dem 1. Januar 1984 geboren und zwischen Januar 2001 und Oktober 2004 wegen einer idiopathischen Skoliose operiert worden waren. 216 zufällig ausgewählte gesunde Personen dienten als Kontrollgruppe.

Alle Teilnehmer der Studie wurden befragt, ob sie im Alter zwischen elf und 14 Jahren wegen einer Skoliose untersucht oder radiologisch gescreent worden waren. Dies war bei 32,8 Prozent jener Patienten, die sich einer Skoliose-Operation unterziehen mussten, der Fall. In der Gruppe jener Probanden, die gesund waren, lag der Anteil bei 43,4 Prozent.

Allerdings gilt: Werden die Kinder oder Jugendlichen gescreent, entdeckt man eine Skoliose in der Regel früher: 10,8 Jahre waren die Kinder im Durchschnitt alt, als Ärzte die Skoliose beim Screening entdeckten. Wurde eine Skoliose unter anderen Umständen diagnostiziert, lag das Durchschnittsalter bei durchschnittlich 13,4 Jahren.

Weitere Unterschiede: Wurden Kinder gescreent, dann steckte man sie mit dreifach höherer Wahrscheinlichkeit in ein Korsett vor der Operation als jene Jugendliche, deren Verkrümmung erst später entdeckt wurde. Das Ergebnis der Behandlung war jedoch in beiden Gruppen vergleichbar. Aus all diesen Fakten schließen die Wissenschaftler, dass ein Massen-Screening auf Skoliose sich bei Kindern nicht lohnt.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2008, Vol. 121, S. 9-14