Randomisierte, kontrollierte Studien sind das Rückgrat einer wissenschaftlichen Medizin, die gerne als "Evidence Based Medicine" bezeichnet wird. Gelegentlich hat man gegen solche Studien aber den Einwand vorgebracht, dass sie nur die Gegebenheiten eines hoch-selektiven Patientengutes widerspiegeln, aber kaum auf alle jene Patienten übertragen werden können, die normalerweise die Arztpraxen aufsuchen. Tatsächlich gab es bislang dazu nur wenige Untersuchungen.

Wissenschaftler vom Bichat Hospital in Frankreich haben sich nun dieser interessanten Frage angenommen: Dazu nutzten sie die Daten des "GRACE"-Registers von Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom. 8.469 Personen waren darin verzeichnet. Man untersuchte sie getrennt nach drei Gruppen: Jene Patienten des Registers, die an einer kontrollierten randomisierten Studie teilgenommen hatten, Patienten die die Einschlusskriterien für eine der Studien ASSENT- 3, GUSTO-V, oder DANAMI- 2 trafen, aber nicht dafür ausgewählt wurden. In der dritten Gruppe waren Patienten, die für keine der Untersuchungen in Frage gekommen wären.

Die Krankenhaus-Mortalität der Patienten, die an einer Studie teilgenommen hatten, lag bei 3.6 Prozent. Bei jenen, die hätten teilnehmen können, lag die Krankenhaus-Mortalität bei 7.1 Prozent und 11.4 Prozent jener, die für keine der Studien in Frage kamen, starben im Hospital. Ähnlich unterschiedlich die Zahlen für den kardiogenen Schock: 4.1 Prozent, 6.1 Prozent beziehungsweise 8.8 Prozent.

Die Studienautoren halten dieses Ergebnis für bedenklich. Es zeigt, dass sich die medizinische Ausgangslage bei Patienten, die für eine wissenschaftliche Studie rekrutiert werden, deutlich von der medizinischen Ausgangslage der nicht ausgewählten Patienten unterscheidet.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2007, Vol. 167, S. 68-73