Fraglicher Nutzen bei Erkrankungen

Der Draht nach oben ist wissen-
schaftlich nicht zu Greifen
© Hemera

Immer wieder gibt es Studien, die der Frage nachgehen, ob es hilft, für Kranke zu beten. Die Ergebnisse waren widersprüchlich. Immerhin gab es Hinweise darauf, dass noetische Therapien – also Therapieansätze, die Gedankenkräfte wie etwa das Beten einsetzen – den Stress des Patienten vor einer perkutanen kardialen Intervention reduzieren können und sogar zu besseren Ergebnissen führen.

Nun wollten es Wissenschaftler genauer wissen. Sie randomisierten 748 Patienten, die sich an verschiedenen Zentren der USA einer perkutanen Intervention am Herzen oder einer elektiven Katheterisierung unterziehen sollten, und ließen sie mit regelmäßigen Gebeten durch etablierte Religionsgemeinschaften beziehungsweise einer "music, imagery and touch (MIT)"-Therapie behandeln. Außerdem gab es jeweils zwei Kontrollgruppen. Primärer Endpunkt war die Kombination aus einem schwer wiegenden kardiovaskulären Ereignis beziehungsweise Wiedereinweisung oder Tod binnen sechs Monaten.

Die Auswertung der Ergebnisse ist eine herbe Enttäuschung für alle Beter, zumindest was dessen Heilwirkung anbelangt: In keiner der Interventionsgruppen hatten die Patienten einen signifikanten Vorteil gegenüber den Patienten aus der Kontrollgruppe. Allerdings lag die Mortalität unter MIT-Therapie in den ersten sechs Monaten nach dem Eingriff signifikant niedriger als ohne MIT (p kleiner 0.016).

Dass Beten bei Krankheiten nicht hilft, kann nach Ansicht der Studienautoren durch dieses Ergebnis natürlich nicht geschlossen werden. Man hatte schließlich verschiedene religiöse Gemeinschaften für diese Studie rekrutiert. Außerdem weiß man nahezu nichts über eine "Dosis-Wirkungs-Beziehung". Ob viel beten auch viel hilft, ist daher nicht bekannt. Ebenso wenig, wann das Beten die größte Wirkung zeigt: Morgens? Mittags? Abends? Möglicherweise wird man diese Fragen zumindest im Diesseits niemals beantworten können.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2005, Vol. 366, S. 211-217