Bei bedrohlich erkrankten Patienten kommt es oft zu einer Anämie. Häufig werden dann Erthrozytenpräparate infundiert. Der klinische Nutzen solcher Maßnahmen ist allerdings nicht immer sicher. Rekombinantes humanes Erythropoetin Alpha (Epoetin Alpha) regt die Neubildung von Erythrozyten an und könnte daher bei kritisch Kranken nützlich sein, vielleicht sogar Erythrozytenpräparate überflüssig machen.

Genau diese Hypothese wurde jetzt von Wissenschaftlern des Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Lebanon, New Hampshire, in den USA getestet. Sie randomisierten 1.460 schwer kranke Patienten, die drei Wochen lang wöchentlich eine Injektion mit 40.000 IU Epoetin Alpha erhielten oder Placebo. Alle Patienten wurden dann 140 Tage lang nachverfolgt. Die Studienleiter wollten wissen, wie viele Patienten aus beiden Gruppen ein Erythrozytenpräparat benötigten.

Das Ergebnis war durchwachsen: Unter der Therapie mit Epoetin Alpha benötigten die Patienten ebenso viele Erythrozytenpräparate wie die Patienten aus der Placebogruppe. Allerdings war die Hämoglobin-Konzentration in der Verumgruppe am 29. Tag nach Beginn der Studie deutlich höher als in der Kontrollgruppe: durchschnittlich 1,6 Gramm pro Deziliter versus 1,2 Gramm pro Deziliter (p kleiner 0.001). Auch die Mortalität sank in der Verumgruppe gegenüber Placebo (relatives Risiko: 0,79). Vor allem Traumapatienten profitierten davon. Bei ihnen konnte die Mortalität mit Epoetin Alpha um 63 Prozent am 29. Tag und 60 Prozent am 140. Tag nach Beginn der Studie gesenkt werden. Allerdings war die Zahl thrombotischer Ereignisse in der Verumgruppe um 41 Prozent höher.

Die Studienleiter folgern daraus, dass Epoetin Alpha möglicherweise einen physiologischen Wirkmechanismus hat, der über seine hämatopoetische Wirksamkeit hinaus geht.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2007, Vol. 357, S. 965-976