Diabetes vom Typ 2 ist ein bekannter Risikofaktor für die KHK. Konservativ schätzt man, dass dieses Risiko etwa zwei Mal so hoch ist wie bei Nicht-Diabetikern. Bei Frauen ist diese Risiko zudem höher als bei Männern. Aber: Wie hoch ist dieses Risiko denn nun tatsächlich?

In den letzten Jahrzehnten gab es drei größere Meta-Analysen, die sich diese Frage stellten. Sie kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zwei haben nachgewiesen, dass das Risiko bei Frauen mit Diabetes Typ 2 höher ist als bei Männern, eine dritte konnte das nicht zeigen.

Nun gibt es eine vierte Meta-Analyse, die Studien zwischen 1966 und März 2005 noch einmal untersucht hat. 37 Untersuchungen mit insgesamt 447.064 Patienten flossen in die Meta-Analyse ein. Sie zeigt eindeutig, dass die Rate einer tödlichen KHK bei Menschen mit Diabetes Typ 2 tatsächlich signifikant höher ist als bei Nicht-Diabetikern (5,4 Prozent versus 1,6 Prozent). Als man sich das Verhältnis der Frauen zu den Männern ansah, gab es in dieser Meta-Analyse keinen Zweifel mehr: Diabetische Frauen haben ein signifikant höheres tödliches KHK-Risiko als Männer. Dieses Risiko ist etwa 46 Prozent höher.

Warum ist das so? Die Studienautoren werfen verschiedene Hypothesen in die Diskussion. Möglicherweise, so vermuten sie, haben Frauen mit Diabetes mellitus Typ 2 auch verstärkt andere Risikofaktoren, die zur KHK beitragen. So ist die Hypertonie etwa bei diabetischen Frauen deutlich stärker verbreitet als bei diabetischen Männern. Ähnliches gilt für ungünstige Lipidprofile.

Allerdings kann man nach Ansicht der Autoren auch nicht ausschließen, dass Frauen mit Diabetes Typ 2 schlechter behandelt werden als Männer und deshalb häufiger an einer KHK sterben. Studien haben gezeigt, dass Männer mit KHK häufiger mit Acetylsalicylsäure und Statinen therapiert werden als Frauen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 73-78