Man weiß, dass das Risiko einer Demenz mit dem Alter steigt. Zwischen dem 65. und 85. Lebensjahr verdoppelt sich die Prävalenz alle fünf Jahre. Ob die Demenz-Prävalenz aber nach dem 90. Lebensjahr im gleichen Tempo ansteigt und ob es dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, ist bislang nur unzureichend untersucht worden. Dies liegt auch daran, dass es nur in wenigen Studien gelungen ist, genügend Menschen über 90 Jahre für solche Studien zu finden. Die wenigen Daten, die es dazu gibt, widersprechen sich zudem.

Ausreichend viele Probanden, nämlich 911, hat jetzt die „90+ Study“ untersucht. Alle waren älter als 90 Jahre, 77 Prozent der Probanden waren Frauen. Zu Beginn der Studie litten 375 Personen an einer Demenz. Dies entspricht einer Prävalenz von 41,2 Prozent. Deutliche Unterschiede zeigten sich allerdings zwischen den Geschlechtern: Während die Prävalenz der Demenz bei Männern 27,6 Prozent betrug, liegt sie bei Frauen wesentlich höher, nämlich bei 45,2 Prozent.

Als man die Prävalenz der Demenz nach Altersstufen ordnete, zeigte sich, dass die Häufigkeit der Demenz bei den Männern weitgehend gleich bleibt, während sie bei Frauen ansteigt. So liegt die Demenz-Häufigkeit im 90. und 91. Lebensjahr für Männer und Frauen noch nahe beieinander – 21,4 beziehungsweise 27,1 Prozent. Mit zunehmendem Alter klafft diese Schere aber weiter auseinander. Die Werte für Männer und Frauen im 94. und 95. Lebensjahr: 28,0 beziehungsweise 45,1 Prozent. Im Alter über 100 Jahre liegt die Prävalenz bei den Frauen dann fast doppelt so hoch wie bei den Männern: 33,3 Prozent versus 61,1 Prozent.

Bildung hatte einen deutlichen Einfluss auf das Demenz-Risiko bei den Frauen dieser Altergruppe, nicht aber bei Männern: Frauen mit einer höheren Bildung können damit rechnen, dass sie im Alter über 90 Jahre ein bis zu 45 Prozent geringeres Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken als Frauen mit einer geringeren Bildung.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2008, Vol. 71, S. 337-343