Frauen werden fairer zu Frauen

Wahre Freundschaft gibt es auch
unter Frauen; © Hemera

In ihrem Urteil über die Kompetenzen von Frauen urteilten Frauen bisher wesentlich kritischer als es Männer taten. So wurde derselbe Text für besser und der Autor für kompetenter gehalten, wenn ein Männername anstelle eines Frauennamen darüber stand. Doch dieses Bewertungsverhalten hat sich in Deutschland verändert, wie Prof. Dr. Melanie C. Steffens bei der 10. Fachgruppentagung Sozialpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena berichtet hat.

Die Psychologin von der Universität Jena stellte aktuelle Untersuchungen vor, in denen sich keine Hinweise darauf finden, dass Bewerberinnen weniger kompetent eingeschätzt werden als Bewerber. Bei der Studie sind Probanden angebliche Bewerberinterviews vorgespielt worden: Der gesprochene Text war identisch, die Stimme war weiblich oder männlich. "In vier Untersuchungen haben wir keinmal gefunden, dass ein Bewerber für kompetenter gehalten wurde als eine Bewerberin", sagt Steffens.

In neuesten Untersuchungen haben die Jenaer Psychologinnen ein Reaktionszeitmaß verwendet, um zu prüfen, ob im Allgemeinen Männer mit Kompetenz und Frauen mit Inkompetenz assoziiert werden. Teilgenommen haben männliche und weibliche Führungskräfte, Studenten und Studentinnen sowie Frauenbeauftragte. "Wir haben gefunden, dass Männer eine Assoziation männlich-kompetent haben, Frauen dagegen eine Assoziation weiblich-kompetent", fasst Steffens zusammen. Anstelle eines allgemeinen Vorurteils wurde also die eigene Gruppe favorisiert.

Im Ergebnis der Studien lässt sich festhalten, dass sich in Deutschland der alte Befund nicht länger bestätigt, dass Männer auch von Frauen für kompetenter gehalten werden als Frauen.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena