Randomisierte Studien haben gezeigt, dass niedrig-dosierte Acetylsalicylsäure (ASS: Aspirin) das Risiko eines ersten Myokardinfarktes bei Männern senken kann, aber nur wenig Auswirkungen auf das Risiko eines ischämischen Schlaganfalls hat. Vergleichbare Daten zu Frauen lagen bislang kaum vor.

Nun wurden aber neue Ergebnisse der "Women's Health Study" bekannt, an der 39.876 Frauen im Alter über 45 Jahre teilgenommen hatten. Randomisiert erhielten sie alle zwei Tage 100 mg ASS oder Placebo und wurden dann zehn Jahre lang nachbeobachtet. Jeder Fall eines ersten größeren kardiovaskulären Ereignisses wurde registriert.

Während des Nachbeobachtungszeitraums traten 477 Fälle eines größeren kardiovaskulären Ereignisses (nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder Schlaganfall oder kardialer Tod) in der ASS-Gruppe auf. In der Placebo-Gruppe dagegen 522 Fälle. Dies entsprach einer nicht-signifikanten Risikoreduktion unter ASS von neun Prozent (p gleich 0.13).

Einzelne Endpunkte dagegen konnten durch ASS sehr wohl signifikant gesenkt werden: das Risiko eines Schlaganfalls jedenfalls um 17 Prozent (p gleich 0.04). Vor allem die Zahl ischämischer Schlaganfälle war stark gesunken. Das Herz scheint dagegen kaum von ASS zu profitieren: Die Zahl der Myokardinfarkte sank kaum unter ASS, ebenso wenig die Zahl kardialen Todesfälle.

Wie zu erwarten war, blutete der Gastrointestinaltrakt unter ASS-Gabe häufiger als unter Placebo (relatives Risiko: 1,4; p gleich 0.02). Offenbar profitieren vor allem Frauen über 65 Jahre von ASS: Bei ihnen kann der Wirkstoff das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse, eines ischämischen Schlaganfalls und eines Myokardinfarkts deutlich senken.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2005, Vol. 352, Early Release