Fumarsäure schützt Nervenzellen

Foto: Abbildung eines künstlichen Gehirns

In weiteren Schritten wollen Linker
und Lee herausfinden, ob sich die
Präparate auch für eine Kombinations-
behandlung mit beta-Interferonen
eignen; © panthermedia.net/
James Steidl

Die Wissenschaftler konnten belegen, dass der Wirkstoff Fumarsäure das Immunsystem positiv beeinflusst und über die Aktivierung des zellulären Transkriptionsfaktors „Nrf2“ Zellen im zentralen Nervensystem schützt. „Damit wäre diese Substanz eine der ersten, die bei der Therapie der Multiplen Sklerose einen neuroprotektiven Effekt vermittelt“, erklärt Linker. Demnächst werden zu der Tablettentherapie mit Fumarsäure bei MS die Ergebnisse zweier weltweit laufender „Phase III“-Studien mit mehr als 2000 Patienten erwartet.

Derzeit sind die als Tabletten verfügbaren Fumarsäurepräparate die meist verwendete Therapie bei schwerer Schuppenflechte in Deutschland. Die Schuppenflechte ist wie die MS eine Autoimmunkrankheit, bei der sich die Immunabwehr gegen körpereigene Zellen richtet. Bei MS werden durch diese Autoimmunreaktion zunächst die „Isolierschicht“ der Nervenfasern und schließlich die Nervenzellen selbst zerstört.

Erste positive Ergebnisse zur Tablettentherapie mit Fumarsäure bei der MS hätten sich in der bereits veröffentlichten „Phase II“-Studie an 257 MS-Patienten gezeigt, berichtet Linker. „Unter Behandlung mit dem Fumarsäurepräparat zeigten sich im Vergleich zu einem Scheinpräparat über 70 Prozent weniger neue Entzündungsherde im Gehirn und etwa ein Drittel weniger Schübe“, so der Neurologe.

Zusammen mit seinem Kollegen Doktor De-Hyung Lee treibt Linker seine Forschung intensiv voran. Neuste Ergebnisse der Mediziner untermauern die These, dass Fumarsäurepräparate die Nervenzellen schützen. Ihre Erkenntnisse sieht Linker auch durch die nachgewiesene Wirksamkeit der Fumarsäure im Modell der Huntington-Erkrankung gestützt, einer im Gegensatz zur MS rein degenerativen Erkrankung mit der Zerstörung von Nervenzellen ohne primäre Entzündung. Der Wissenschaftler ist optimistisch, dass „Fumarsäurepräparate durch ihre Verträglichkeit eine gute Ergänzung der bisherigen, nur in Form von Spritzen verfügbaren Basistherapien bei der MS darstellen“.


MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg