Funktionale Früh-Diagnostik mit Musik

Musik offenbart Veränderungen im
Gehirn; © PixelQuelle.de

Morbus Huntington ist eine seltene Erbkrankheit, die durch die Mutation eines bestimmten Gens ausgelöst wird, und eine Degeneration des Gehirns zur Folge hat. Die Arbeitsgruppe um Dr. Carsten Saft, Neurologe am St. Josef Hospital der Ruhr-Universität Bochum, spielte 16 Patienten, die bereits Symptome von Morbus Huntington zeigten, und 18 Genträgern ohne Symptome sowie gesunden Kontrollpersonen neutrale Töne als akustischen Reiz vor. Währenddessen wurde die Aktivität der reizverarbeitenden Hirnbereiche mittels funktioneller Kernspintomographie aufgezeichnet. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen und noch nicht erkrankten Genträgern zeigte sich bei den bereits erkrankten Testpersonen ein deutlich abweichendes Aktivierungsmuster.

Bei Gesunden und symptomfreien Genträgern war eine Aktivierung vor allem der linken Gehirnhälfte zu beobachten. Bei bereits Erkrankten wurde eine stärkere Aktivierung der rechten Gehirnhälfte gemessen. Das gleiche Aktivierungsmuster wiesen auch Probanden auf, bei denen aufgrund des Erkrankungsalters des vererbenden Elternteils recht bald mit dem Krankheitsbeginn zu rechnen war.

"Mit zunehmender Schwere der Symptomatik verlagert sich die Aktivierung des Gehirns bei akustischen Reizen mehr und mehr von links nach rechts", beschreibt Dr. Saft. "Wir erklären uns das mit einem Kompensationsmechanismus des Gehirns." Die Ergebnisse der Studie stützen die These, dass die gestörte Hirnfunktion bei Huntington- Patienten nicht nur das motorische System, sondern auch die sensorische Reizverarbeitung betrifft.

Diese funktionellen Veränderungen der sensomotorischen Wahrnehmung und Verarbeitung treten schon lange vor den ersten motorischen Symptomen auf. "Wenn in Zukunft eine kausale Therapie für diese Erkrankung gefunden werden sollte, gewinnt die funktionelle Früh-Diagnostik an Bedeutung, um einen möglichst frühen Therapiebeginn zu ermöglichen und danach den Therapieerfolg zu verfolgen", erklärt Dr. Saft.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum