16.05.2007

European Hospital Verlags GmbH

Gastpatienten-Boom bleibt aus

Gastpatienten-Boom bleibt aus
Kliniken müssen Strategien überdenken

Die Welt zu Gast in deutschen Kliniken – so lautete die Hoffnung deutscher Krankenhäuser, die dank betuchter ausländischer Gastpatienten ihre Budgets aufbessern wollten. Die hohen Erwartungen an das Geschäftsmodell „Gastpatient“ wurden jedoch enttäuscht, wie die ernüchternden Zahlen einer Studie des Sozial- und Seniorenwirtschaftszentrums GmbH (swz/IHT) im Rahmen des Health Care Export Projektes zeigen.

Demnach ließen sich 2004 gerade mal rund 50.000* ausländische Patienten in deutschen Kliniken stationär behandeln, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Bei rund 80 Prozent der Patienten handelt es sich jedoch um unfreiwillige Gäste, die als medizinische Notfälle akut stationär behandelt wurden. Die Zahl der elektiven Patienten, die gezielt eine Behandlung in Deutschland nachfragen, beläuft sich auf lediglich etwa 11.000 – ein rundum enttäuschendes Ergebnis.

Die Zahlen lassen vermuten, dass luxuriöse Zimmerausstattungen, VIP-Service und touristische Attraktionen allein für die ausländische Klientel nicht reizvoll sind. Dafür spricht auch die eher geringe Anzahl an „Luxus“-Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (675), von denen man sich finanziell am meisten versprach.

Eine große Rolle bei der Entscheidung für eine Behandlung in einer deutschen Klinik spielt hingegen der Faktor „regionale Nähe“. So profitiert Nordrhein-Westfalen vor allem von Patienten aus den Niederlanden und Belgien, Bayerns Kliniken von Italienern und Österreichern. Dass auch sozio-kulturelle Aspekte entscheidend sind, zeigt die hohe Anzahl türkischer Gastpatienten (knapp 2.000). Aufgrund des großen Anteils türkischstämmigen Personals in einigen Regionen, wie etwa Nordrhein-Westfalen, entfallen sprachliche und kulturelle Barrieren und die Patienten fühlen sich gut betreut.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für den Besuch einer deutschen Klinik ist die internationale Reputation des behandelnden Arztes, die oftmals mit einer Spezialisierung auf eine bestimmte Indikation einhergeht. „Spitzenmedizin“ ist hier das Schlagwort, welches bei ausländischen Patienten den Anreiz für einen Aufenthalt in Deutschland gibt.

Spezialisierte Kliniken in den Regionen

Geht es um die Behandlung von angeborenen Herzfehlern vertrauen ausländische Patienten auf das Know-How in Berliner Kliniken, Hamburg ist auf den Einsatz von Total-Endo-Prothesen spezialisiert und in Nordrhein-Westfalen steht die Behandlung von Epilepsie und chronischen Herz-Kreislauferkrankungen im Vordergrund.

Eben diese indikationsbezogene Spezialisierung könnte eine Lösung für das Problem der verwaisten Luxus-Betten in deutschen Kliniken sein und das Konzept Gastpatient doch noch zum Erfolg führen. Strategien hierzu und weitere Lösungsvorschläge werden auch auf dem Hauptstadtkongress in Berlin (20.-22. Juni), dem wichtigsten deutschen Kongress bei Gesundheitsfragen diskutiert. Auch das Sozial- und Seniorenwirtschaftszentrum ist mit seiner Gastpatienten-Studie auf dem Kongress vertreten und wird sich den Fragen des Fachpublikums stellen.

Für weitere Informationen zur Studie des Sozial- und Seniorenwirtschaftszentrum GmbH wenden Sie sich an:

Stephan von Bandemer
Institut für Arbeit und Technik
Tel: +49 (0) 2 09 /167-1363
e-mail: bandemer@iatge.de

oder:
Anja Sophia Middendorf
Sozial- und Seniorenwirtschaftszentrum GmbH
Tel: +49 (0) 2 09 /167-1366
e-mail: middendorf@swz-net.de
Homepage: www.swz-net.de


Die Meldung wurde erstellt durch European Hospital, einem Partner von Health Care Projekt. Für weitere Informationen zu European Hospital, schauen Sie bitte auf unsere Homepage: www.european-hospital.com!